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1 (1903) Grundlegung der Ästhetik
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Neuntes Kapitel: Zusätze zur Natureinfühlung.

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beschämenden Erlebnis, das vorausging, selbst. Dieses weckteja an sich das Gefühl des Ärgers oder der Beschämung; undauch dies ist kein Stimmungsgefühl.

Und demgemäfs erscheint mir denn auch das Gefühl, näm-lich das Stimmungsgefühl, nicht bezogen auf die inhaltlichbestimmten gegenwärtigen Erlebnisse. Diese sind mir, alseinzelne und im Ganzen, Träger eines eigenen Gefühls. Unddavon bleibt das Stimmungsgefühl gesondert. Wird mir etwaSchönes geboten, so setze ich das Stimmungsgefühl nicht aufRechnung desselben. Ich sage: Was ich hier sehe oder höre,ist so schön, wie es auch sonst ist; aber ich bin nicht in derStimmung es zu geniefsen. Kurz, ich habe ein unmittel-bares Bewufstsein davon, dafs nicht diesem oder jenem Erleb-nis, sondern der dazu kommenden Stimmung, der besonderenWeise, die Erlebnisse zu erleben, das Gefühl gilt.

Oder ich bin in einer besonderen körperlichen Verfassung;mein körperliches Leben ist ein besonders freies, leicht undkraftvoll ablaufendes, angeregtes. Dann läuft auch mein ge-samtes psychisches Leben freier und leichter ab. Auch hierwiederum besteht dieStimmung nicht in einzelnen Erlebnissen,sondern eben in dieser gesamten Ablaufsweise des psychischenGeschehens. Wiederum beziehe ich dementsprechend dasStimmungsgefühl, das in diesem Falle ein Lustgefühl ist, nichtauf die einzelnen Erlebnisse, sondern auf die Stimmung. Werdeich gefragt, was mich denn jetzt so erfreue, oder welchesbesonders Angenehme mir begegnet sei, oder mir vorschwebe,so sage ich: Es ist nicht dies noch das; ich bin nur eben inder rosigen Stimmung.

Dieser Sachverhalt ist merkwürdig, und der besonderen Be-achtung des Psychologen und Ästhetikers wert. Man bedenke,diese allgemeine Ablaufsweise des seelischen Lebens ist nichtetwas, das meinem Bewufstsein vorschweben oder als Bildgegenübertreten kann, so wie ein Berg oder Haus, die ich wahr-nehme oder vorstelle, oder auch wie ein Akt meines Wollens,oder der an ein bestimmtes Erlebnis geknüpfte Affekt desZornes. Ich kann die Stimmung wohl mit einem allgemeinenNamen benennen. Aber ich kann sie nicht mit der Vorstellung