Neuntes Kapitel: Zusätze zur Natureinfühlung.
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Vorgestellte Empfindungen der niederen Sinne.
Im Vorstehenden handelte es sich um die ästhetische Be-deutung der Inhalte der niedrigeren Sinne. Davon ist aufdas bestimmteste zu unterscheiden die Frage nach der ästhe-tischen Bedeutung unseres Bewufstseins, dafs diese Inhalteempfunden werden. Ich redete oben von der einem Dingeangesehenen Wärme und Kühle. Ich redete nicht von derEmpfindung der Wärme oder Kühle, die ich einem wirklichenoder künstlerisch dargestellten Menschen ansehe; oder: nichtvon wirklichen oder dargestellten Menschen, denen sichtlichwarm ist, oder die sichtlich frieren.
Gehen wir aber auch darauf mit einem Worte ein. Dannist zunächst zu betonen: Was ich dem Menschen, dem warmist, oder der friert, unmittelbar ansehe, das ist nicht die Wärmeoder Kälte, sondern die Weise, wie dem Menschen zu Muteist, die innere Erregung, die Art, wie er sich angesichts derWärme oder Kühle fühlt, seine Behaglichkeit oder Unbehaglich-keit. Und diese kann demnach auch allein ästhetische Be-deutung haben. Inhalt des ästhetischen Objektes ist nun ein-mal immer nur, was unmittelbar in ihm liegt. Dai's dieseWeise, sich zu fühlen, durch Empfindungen der Wärme oderKälte bedingt ist, dies ist erst eine hinzutretende VorstellungDiese mag bald mehr, bald minder deutlich sich einstellen.Dann ist sie doch an sich, d. h. abgesehen von der Wirkungauf das Individuum, die ich unmittelbar sehe und miterlebe,völlig bedeutungs- und eindruckslos. Sie ist dies schon imgewöhnlichen Leben; und erst recht für den ästhetischen Ein-druck. In keinem Falle gehört sie zum ästhetischen Objekt.Sie ist Sache einer nebenhergehenden Reflexion.
Mit der Vorstellung, jemand habe die Empfindung derWärme oder Kühle, steht nun weiter auf gleicher Linie dieVorstellung der Schmerz-, Ekel-, Wollustempfindung eineswirklichen oder dargestellten Menschen. Hier ist aber hinzu-zufügen: Die Inhalte dieser Empfindungen können gar nichtanders dem Objekt meiner Betrachtung angehören oder in derBetrachtung eines Objektes für mich existieren, als in solcher