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1 (1903) Grundlegung der Ästhetik
Entstehung
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Achtes Kapitel: Einheit und Freiheit in der Natur. 201

Wie man sich erinnert, habe ich schon bei der ehemaligenErwähnung des Denkmals, und auch sonst im Zusammenhangunseres ersten Abschnittes öfter, Ausdrücke gebraucht, die erstunter der Voraussetzung der Vermenschlichung Sinn haben.Dies mufste ich tun, weil unsere Sprache unter dem Einflußund Zwang der Vermenschlichung entstanden ist. Die Spracheist der unmittelbarste Beleg für diesen Zwang.

So sagte ich ehemals auch schon, in derimanenten,monarchischen Unterordnung, etwa der einen Richtung einesRechteckes unter die andere, gewinne das Rechteck Bestimmtheit,und Eindeutigkeit desCharakters. Dies ist der Charakter,der immer enthalten liegt in der entschiedenen Unterordnungeines Inhaltes meines Wollens unter einen anderen,' in derZusammengefafstheit meines ganzen inneren Wesens in einereinzigen Richtung.

Gehen wir aber noch weiter. Mit der Herrschaft und derUnterordnung zugleich gewinnt, vermöge der Einfühlung, auchdas Gleichgewicht, in welchem das Untergeordnete zum Herr-schenden, unbeschadet seiner Unterordnung, steht, seine ästhe-tische Bedeutung. Es wird zum Gegenwirken gegen den Zwangder Unterordnung, zum aktiven Sichbehaupten in eigentlichsterBedeutung. Daraus entsteht der Eindruck des bedeutsamerenHerrschens, und einer größeren inneren Würde des Ganzen;so wie im sozialen Ganzen die Bedeutsamkeit des Herrschersund die Würde des Ganzen wächst mit der Selbstbehauptungder Individuen, oder der Geltung der Individualität in der Unter-ordnung und im Dienen.

Und so wird endlich die Zusammenfassung eines Objektesin vielen herrschenden Punkten, und die Unterordnung dieser, unddurch sie hindurch des Ganzen, unter einenHauptschwerpunkt,und andererseits das Gleichgewicht in dem reichgegliedertenGanzen, das daraus sich ergibt, ästhetisch bedeutsam. Es wirdvergleichbar dem analogen Verhalten, das in der Welt derlebendigen Persönlichkeiten besteht, und viele solche zu einembedeutsamen und reichgegliederten Ganzen vereinigt.

Die allgemeine Tatsache, die bei alledem vorliegt, ist immerdieselbe. Was ich in meiner Auffassung und der Betrachtung