Siebentes Kapitel: Vom letzten Grunde der Einfühlung in Naturformen. 185
jetzt auf den Punkt gestofsen, wo ein allgemeinerer Grund derBeseelung der Dinge, als die bisher betrachteten, vielmehr,wo der allgemeinste Grund der Beseelung des sinnlich Wahr-nehmbaren überhaupt, sich uns aufdrängt. Man erinnert sich,dafs ich den besonderen Gründen der Naturbeseelung, wiesie bisher vorgetragen wurden, schon im Eingang dieser Über-legungen über die Naturbeseelung einen allgemeineren Grundderselben gegenüberstellte. Zugleich sagte ich, dieser allgemeineGrund schlierse die besonderen Gründe als Modifikationen des-selben in sich. Dieser allgemeine Grund nun ist gegeben inder sukzessiven Apperzeption der Gegenstände der sinnlichenWahrnehmung.
Die Ursachen eines Daseins oder Geschehens, von denenim Vorstehenden die Rede war, erscheinen, so sahen wir, be-seelt, d. h. als Träger von Kräften, als wirkend, als ein Strebenund eine Tätigkeit in sich tragend, weil ich mich durch sie„genötigt“ fühle, die Wirkung hinzuzudenken, oder denkend vonihnen zur Wirkung fortzugehen. Die „Tätigkeit“ der Ursacheist dies mein Fortgehen, mein inneres fiinzunehmen der Wirkung,kurz mein Tun, sofern dasselbe nicht als mein willkürliches Tun,sondern als durch die Ursache mir aufgenötigt, und demgemäfsals in ihr begründet, als ein in ihr liegendes Tun erscheint.
Dies Tun nun ist ein inneres, gedankliches; es ist, kurzgesagt, ein „apperzeptives“ Tun. Es ist mein inneres Erfassender Wirkung, nachdem ich die Ursache innerlich erfafst und mirgegenwärtig gemacht habe. Es ist ein Fortgehen der Auf-fassungstätigkeit von der einen zur anderen, nämlich einsolches, das für mich in den Objekten und ihrer Zeitfolge liegt.Es ist ein eigenartiges apperzeptives Tun. Aber es fälltunter den allgemeinen Begriff eines durch das Objekt mir auf-genötigten apperzeptiven Tuns überhaupt.
Ein Tun von gleicher Art liegt auch in jener Einspracheder Erfahrung gegen den Versuch, in Gedanken den schwerenKörper am Fallen zu hindern. Diese „Einsprache“ ist die vonmir gefühlte Nötigung, ihn in meinen Gedanken sinken zu lassen.Indem ich dies gedankliche Tun an den Körper gebunden oderdarin begründet, kurz durch ihn mir aufgenötigt finde, erscheint