Siebentes Kapitel : Vom letzten Grunde der Einfühlung in Naturformen. 183
Indem ich aber aus der Einfühlung heraustrete, und reflek-tierend mich diesem Erlebnis gegenüberstelle, tritt auch hier,ebenso wie in dem soeben erwähnten früheren Falle, eineScheidung ein. Es scheidet sich: Ich und der objektiv ge-gebene Sachverhalt. Dabei bleibt doch auch an diesen dasStreben, nämlich als vorgestelltes, gebunden. Jetzt ist alsodas Streben und damit das Ich verdoppelt. Dieser Verdoppe-lung gebe ich Ausdruck, indem ich sage: Ich selbst strebe aufGrund der Erfahrung, oder fühle mich durch sie genötigt, denStein zur Erde fallend zu denken; und der Stein strebt seiner-seits tatsächlich zur Erde, bezw. die Erde nötigt tatsächlichden Stein zu sich hin.
Zugleich vollzieht sich auf der objektiven Seite wiederumjene mannigfache Scheidung, in das aktive Streben der Erdeund das passive des Steines u. s. w.
Siebentes Kapitel: Vom letzten Grunde der Einfühlung in
Naturformen.
Das kausale Denken als apperzeptive Bewegung.
Die Natureinfühlung ist nun aber nicht die Einfühlungdieser oder jener einzelnen Kräfte, Strebungen, Tätigkeiten. DieNaturdinge sind uns nicht ein Haufen von solchen. Damitist schon angedeutet, dafs das Bisherige noch einer wesent-lichen Ergänzung bedarf.
Zunächst bezeichnen wir einen Unterschied zweier Mög-lichkeiten. Die Kausalbeziehung zwischen dem Stofs, den eineerste Kugel auf eine zweite übt, einerseits, und der Bewegungdieser letzteren andererseits, ist eine Beziehung des zeitlichsich Folgenden. In diese Zeitfolge fühle ich ein entsprechendes,in der Zeit verlaufendes Tun ein.
Aber auch zwischen Simultanem bestehen Kausalbeziehungen.Es besteht eine kausale Abhängigkeitsbeziehung zwischen denTeilen eines Baumes oder eines Felsen. Die Aste und Zweige