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1 (1903) Grundlegung der Ästhetik
Entstehung
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107
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Zweites Kapitel: Die Ausdrucksbewegungen und die Einfühlung. 107

zugewendet bin. Ich bin geneigt, mit dem Jubelnden mich zufreuen, also in seinen Jubel innerlich einzustimmen. Und ichtue dies tatsächlich, wenn mich nichts hindert, dem, was ichhöre, ganz hingegeben zu sein. Dieser Sachverhalt, dies sichMitfreuen in dem gehörten Freudenlaut, fassen wir gleich inden Begriff, der uns im folgenden immer wieder begegnenwird, ja der der Grundbegriff der folgenden Betrachtung seinwird, nämlich unter den Begriff derEinfühlung.

Zweites Kapitel: Die Ausdrucksbewegungen und dieEinfühlung.

Die Ausdrucksbewegungen.

Aber, wie gesagt, nicht um die Laute, sondern um die Aus-drucksbewegungen handelt es sich hier zunächst. Dieselbenbilden eine besondere Klasse der körperlichen Bewegungen.Sie heifsen Ausdrucksbewegungen, weil sie der Kundgabeeiner inneren Zuständlichkeit dienen. Diese Zuständigkeitfinden wir in ihnen unmittelbar, wenn wir die Bewegungenwahrnehmen.

Es sind aber schliefslich alle unsere Bewegungen in ge-wisser Weise Ausdrucksbewegungen, ebenso wie alle Laute,auch die Sprachlaute, immer zugleich Ausdrucks- oder Affekt-laute sind.

Die Bewegungen sind Ausdrucksbewegungen entweder durch-aus oder ihrem eigentlichen Wesen nach, wie die Gebärden, oderdie Bewegungen des Zusammenfahrens beim Schreck, des Sich-aufrichtens beim Gefühl des Stolzes; oder es ist doch etwas inihnen, es findet sich im Ablaufe derselben eine Eigentümlichkeit,die sich danach bestimmt, wie mir innerlich zu Mute ist, wieich mich fühle, in welches affektive Moment die Vorgänge inmir getaucht sind. Meine Bewegungen sind andere, wenn ich