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1 (1903) Grundlegung der Ästhetik
Entstehung
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Erstes Kapitel: Einleitendes zur Frage der Einfühlung. 103

der Schönheit überhaupt liegt, derart, dafs von ihm aus auchdie Schönheit der Natur, aufserhalb des Menschen, erst ver-ständlich werden kann.

Diese Absicht muls im folgenden festgehalten werden. Zuden spezifischen Bedingungen der Schönheit des menschlichenKörpers werden gewisse allgemeine Bedingungen der Schönheitder Naturobjekte überhaupt hinzutreten. Hier aber handelt essich, wie gesagt, zunächst um jene ersteren.

Diesinnliche Erscheinung des Menschen nun begreiftVielerlei in sich: Seine Worte, sein in die sinnliche Erschei-nung tretendes Tun, seine Gebärden, die Form und Farbeseines Körpers. Alles dies kann für uns Wert und insbesondereästhetischen Wert haben. Ein besonderes Problem aber liegt inder Schönheit der Form des menschlichen Körpers.

Die äufsere Erscheinung des Menschen bietet nichts, dasan sich betrachtet schön und gar als das Schönste erscheinenkönnte. Man spricht wohl vonregelmäfsigen Zügen einesGesichtes. Doch meint man damit solche Züge, die derRegel,d. h. einer mittleren Norm entsprechen. Man meint nicht etwaZüge, in denen geometrische Regelmäfsigkeit, also gleichartigeWiederkehr gleicher Elemente oder Teile, sich findet. AufjeneRegelmäfsigkeit der Züge komme ich nachher zurück.

Zugleich fehlt es doch am menschlichen Körper auch nicht an ^Elementen geometrischer Regelmäfsigkeit. Die beiden Gesichts- ,hälften sind zueinander symmetrisch. Aber das Wohlgefallen,das aus dieser Symmetfîë;~rëm~1ürsich betrachtet, sich ergebenkönnte, stände doch nicht höher als das Wohlgefallen, das unsentsteht, wenn ein Tintenfleck von beliebiger Form von einerMittellinie aus symmetrisch sich ausbreitet. Und es ständezurück hinter dem Wohlgefallen an der allseitigen Symmetrie,welche die Figuren des Kaleidoskops aufweisen. Dabei, seheich davon ab, dafs auch schon bei der Wohlgefälligkeit jenesTintenfleckes und dieser Figuren des Kaleidoskops Elementenicht sinnlicher Art die darin liegendeBewegungmitspielen.

Dazu kommt dann die Symmetrie der beiden Hälften desRumpfes, und die symmetrische Bildung und Anordnung der