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Sechstes Kapitel: Vermeintliche ästhetische Prinzipien. 93
Gegenstandes; d. h. er ist etwas, das dem Gegenstände bleibt, jgleichgültig, wie dieses oder jenes Individuum ihn werten mag,und das ihm bliebe, auch wenn jetzt zufällig gar keine Wertungstattfände. Er ist die in dem Gegenstände gegründete oder inihm liegende Möglichkeit der Wertung: besser gesagt, er istdie Forderung des Gegenstandes, darum weil er dieser Gegen-stand ist, in dieser bestimmten Weise gewertet zu werden. DieseForderung aber bleibt, gleichgültig, ob und in welchem Gradesie erfüllt wird.
Die „Entwickelung des Geschmackes“.
In Wahrheit ist diese positive „Gewohnheit“, d. h. dieGewohnheit, die im „Hineinleben“ in den Gegenstand besteht,die also macht, dafs wir das Werten lernen, zusammen mitjener negativen „Gewohnheit“, d. h. der Gewohntheit derGegenstände, die das Werten abstumpft oder macht, dafs wires verlernen, lediglich ein Prinzip der Entwickelungoder des Wechsels, kurz, der Geschichte des menschlichenWertens. Es ist mit einem Worte ein psychologisch-histo-risches Prinzip.
Und als solches freilich ist es von mächtiger Wirkung.Neue Objekte treten in den Gesichtskreis der Menschen. NeueFormen bieten sich dar. Neue Ausdrucksmittel werden ge-funden. Ein solches ist nicht nur jede neue Form, sondernauch jedes neue Darstellungsmaterial und jede neue Weise derVerwendung desselben, jede neue Technik, kurz, jedes Moment,durch das irgendwie die sinnliche Erscheinung, als welche dasSchöne zunächst sich uns darstellt, mit bestimmt wird. Undjedes solche neue Objekt, jede neue Form, jedes neue Ausdrucks-mittel, ist fähig, einen neuen ästhetischen Wert mir zu eigen zumachen.
Diesen Wert aber mufs ich in ihm finden. Dafs ich ihnfinde, dies heifst jedesmal, sehr allgemein ausgedrückt, dafs ichdas objektiv Gegebene mit einem Inhalt meines Geistes „durch-dringe“. Ob ich ihn finde und wie reich er für mich ist, dieshängt demgemäfs ab von dem Inhalt meines Geistes, dem Reich-