Druckschrift 
1 (1903) Grundlegung der Ästhetik
Entstehung
Seite
55
Einzelbild herunterladen
 

Viertes Kapitel: Prinzip der monarchischen Unterordnung.

55

lieh eine gleichartige Apperzeptionstatsache. Die Unter-ordnung unter ein Gemeinsames läfst sich, soweit wenigstenssie „Unterordnung im Nebeneinander“ ist, vergleichen dem Neben-einander von einzelnen Teilwellen, mit herausragenden Wellen-gipfeln, in einer einzigen Gesamtwelle. Die Unterordnungdagegen, von der jetzt die Rede ist, vergleicht sich einemHineintendieren und relativen Hineinfliefsen einer Welle in eineandere, oder einer Wellenhöhe in eine andere, innerhalbeiner Gesamtwelle. Sie ist ein Hinübergezogen- und relativesHineingezogensein jener in diese, ein vollkommeneres oderminder vollkommenes Aufgenommensein der einen in deranderen.

Dabei sind die „Wellen“ Akte der Apperzeption; das Auf-genommensein ist ein apperzeptives: Ich apperzipiere oder erfasseinnerlich, so kann ich auch hier, analog wie bei der Unter-ordnung unter das Gemeinsame, den Sachverhalt beschreiben,das Untergeordnete und das Übergeordnete in einem einzigenAkte und zugleich relativ für sich. Aber ich erfasse nicht beidein gleicher Weise. Sondern ich „sehe“ Jenes unter dem „Gesichts-punkte“ Dieses, oder betrachte es im „Hinblick“ auf Dieses.D. h. ich „sehe“ oder „erblicke“ das Untergeordnete relativ indem Übergeordneten. Der Akt der Auffassung des einen ver-liert an Selbständigkeit zu Gunsten der Auffassung des anderen.Das in jenem Aufgefafste ist in minderem Grade für sich auf-gefafst, und dafür relativ in dem Akte der Auffassung desÜbergeordneten mitaufgefafst. Das Übergeordnete befafst alsofür meine Auffassung oder meine Auffassungstätigkeit dasUntergeordnete zugleich, mehr oder minder, in sich. Diesletztere wird damit für meine Auffassungstätigkeit oder inner-halb meiner Betrachtung in höherem oder geringerem Grade einblofser Teil des Übergeordneten, etwas an ihm, eine Bestimmung,ein Faktor, ein Moment in demselben.

Dabei erfährt das Übergeordnete einen Zuwachs. Seine Be-deutung für mich wird gesteigert. Dagegen erscheint die selb-ständige Bedeutung des Untergeordneten vermindert. Es isthinsichtlich seiner eigenen Eindrucks- und Wirkungsfähigkeitherabgesetzt. Dies ist der Sinn der unterordnenden „Ab-