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1 (1903) Grundlegung der Ästhetik
Entstehung
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Drittes Kapitel: Gesetz der Einheit in der Mannigfaltigkeit. 45

heit und Eigenart bedeutsam heraustritt, umsomehr hebt esdie absolute Herrschaft des Gemeinsamen auf. Und dies ebenist seinRecht. Überwiegt das Moment der Einheitlichkeitallzusehr, so ist Gefahr, dafs es das Verschiedene nicht be-herrsche, sondern verschlinge. Das letzte Ergebnis wärewiederum die interesselose Einförmigkeit. Es hat also auchdas relativ selbständige Heraustreten des Einzelnen in seinerBesonderheit positive ästhetische Bedeutung.

Dies drücken wir so aus, dafs wir von einem Prinzip desGleichgewichtes in der differenzierenden Unterordnungsprechen.Gemeint ist damit, dafs die Lust an dem Mannigfaltigen wächstin dem Mafse, als das Moment der Geschiedenheit und Gegen-sätzlichkeit, oder als das Geschiedene und Gegensätzliche i nseiner Geschiedenheit, seiner Gegensätzlichkeit, seinem Aufser-einander, seiner qualitativen Besonderheit, relativ selbständighervortritt, relativ, d. h. soweit dies unbeschadet der sicherenUnterordnung unter das Gemeinsame geschehen kann.

Grade der Differenzierung.

Dies nun weist schon auf verschiedene mögliche Gradeder Differenzierung und differenzierenden Unterordnung. Die-selben unterscheiden sich durch das Mafs, in dem die diffe-renzierenden Momente, unbeschadet der Unterordnung, sich ver-selbständigen.

Gehen wir darauf etwas näher ein. Eine differenzierendeUnterordnung findet schon statt bei der einfachen geraden Linie.Ihre Richtung ist überall dieselbe. Zugleich ist sie ein Aufser-einander von Teilen. Jeder Teil ist absolut anderswo als jederandere; jeder ist von jedem anderen räumlich absolutgeschieden.Und dies Aufsereinander von Teilen findet statt innerhalb dereinheitlichen Richtung. Es ist also eine echteDifferenzierung.Es ist nicht in der geraden Linie Gleichheit der Richtung unddaneben auch Verschiedenheit der Teile. Sondern die Ver-schiedenheit der Teile ist die Verschiedenheit der Momente ineben dieser sich selbst gleichen Richtung. Oder, wenn wirhier sogleich dieBewegung hereinziehen, die für uns in der