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1 (1903) Grundlegung der Ästhetik
Entstehung
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Die allgemeinen ästhetischen Formprinzipien.

Und die Seele ist diese Einheit in der Mehrheit jedemMannigfaltigen gegenüber. Sie ist beides in Einem angesichtsalles dessen, was sie auffassen soll. D. h. es liegt in ihrerNatur, jedes Mannigfaltige vollkommen einheitlich aufzufassen,und indem sie dies tut, nicht etwas anderes, sondern ebendies einheitlich Aufgefafste zugleich in gesonderte Akte derApperzeption auseinandergehen zu lassen. Sie zielt darauf ab,in jenem einheitlichen Akte zugleich diese gesonderten Akte zuvollziehen.

Dies können wir auch kurz so ausdrücken: Die Seele isteine gegliederte, d. h. natürlicherweise in ihrem Tun sichgliedernde oder differenzierende Einheit. Die Auffassungs-weise, die ihr natürlich ist, ist also nicht die einheitlicheAuffassung schlechtweg, sondern die gliedernde oder differen-zierende. Diese schliefst beides zumal in sich, die vollkommeneEinheit und die klare Besonderung.

Ästhetische Einheit in der Mannigfaltigkeit.

Damit nun erhebt sich die Frage des Lustgefühls von neuem.Sie lautet: Wann entspricht ein Mannigfaltiges dieser der Seelenatürlichen Auffassungsweise?

Offenbar hat das Mannigfaltige, um derselben zu ent-sprechen, nicht mehr einer einfachen, sondern einer dreifachenForderung zu genügen. Es mufs einmal, seiner eigenen Naturzufolge, zur vollen Einheitsapperzeption sich darbieten. Und esmufs andererseits, seiner eigenen Beschaffenheit gemäfs, zueiner völlig klaren Sonderung auffordern. Und es mufs diesBeides tun in Einem. D. h. eben dasjenige, was zu jenerEinheitsapperzeption sich darbietet, mufs zugleich diese Auf-forderung zur klaren Sonderung in sich tragen.

Dieser dreifachen Forderung nun genügt das Mannigfaltige,wenn es nicht ein beliebiges einheitliches Mannigfaltige odermannigfaltiges Einheitliche ist, sondern wenn es in sich selbstein gegliedertes qualitativ Einheitliches oder qualitativ Iden-tisches ist.