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1 (1903) Grundlegung der Ästhetik
Entstehung
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Drittes Kapitel: Gesetz der Einheit in der Mannigfaltigkeit. 29

Drittes Kapitel: Gesetz der Einheit in der Mannigfaltigkeit.

Prinzip der Mannigfaltigkeit.

Indessen, wie schon angedeutet, das Gesetz der qualitativenEinheitlichkeit erfordert noch eine mehrfache Ergänzung undnähere Bestimmung. Auch diese können wir nur aus der Be-trachtung der Formgefühle gewinnen. Aber dieselben müssenwiederum zugleich mitgelten für die Elementargefühle.

Doch komme ich im folgenden auf die Elementargefühlenicht mehr zurück, sondern beschränke mich ganz und garauf die Formgefühle.

Ich verglich oben die Seele einemSystem von Saiten.Dies wollte sagen: Es gibt in der Seele nebeneinander

allerlei Möglichkeiten zu verschiedenartigen Betätigungen,die in gleicher Weise der Seelenatürlich sind. Neben derMöglichkeit, ein Lustvolles zu erleben, stehen viele undschlierslich unendlich viele Möglichkeiten, anderes Lustvollezu erleben.

Auch diese Tatsache nun gehört mit zurNatur der Seele.Danach scheint es, dafs die Natur der Seele vollkommener zuihrem Rechte kommt, wenn sie Verschiedenartiges, als wenn siequalitativ Gleichartiges gleichzeitig erlebt. Es scheint dieMannigfaltigkeit, d. h. die Verschiedenartigkeit des gleichzeitigerlebten Lustvollen, als solche, einen Zuwachs der Lust insich schliefsen zu müssen. Wir müssen, so scheint es, nebendas Gesetz der qualitativen Einheitlichkeit ein Gesetz der quali-tativen Verschiedenheit oder Mannigfaltigkeit stellen. Beideszusammen ergäbe das altbekannte Gesetz derEinheit in derMannigfaltigkeit oder der Mannigfaltigkeit in der Einheit.

Doch gegen ein solches Gesetz erheben sich Bedenken.Wie kann die qualitative Einheitlichkeit, und gleichzeitig diequalitative Verschiedenheit Lust erzeugen? Verschiedenheit istja doch Aufhebung der qualitativen Einheitlichkeit, also Auf-hebung der durch diese bedingten Lust. Das Verschiedenewirkt, soweit es verschieden ist, notwendig der Tendenz derEinheitsapperzeption entgegen. Verschiedenheit mufs also