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1 (1903) Grundlegung der Ästhetik
Entstehung
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Erstes Kapitel: Allgemeines über Lustgefühle.

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wären, eine offenbare Verkehrung des Sachverhaltes. Nicht soverhält es sich, wie jedermann weiîs, bei der Lust än einerEmpfindung, etwa der roten Farbe, dafs erst ein Lustgefühlvon mir erlebt würde und zunächst in der Luft schwebte,und dann durch dasselbe meine Aufmerksamkeit zu der Em-pfindung hingelenkt würde. Es zieht nicht ein zunächst gegen-standsloses Lustgefühl seinen Gegenstand sozusagen hintersich her, oder zieht mich zu dem Gegenstände hin. Sondernvielmehr umgekehrt: Indem ich dem Gegenstände der Empfin-dung mich innerlich zuwende, entsteht erst das Lustgefühl. \

Öles ist denn auch im Grunde jedermanns Meinung. Niemandwill etwa behaupten, wenn ich Lust an einer Farbe habe, unddarum der Farbe mich zuwende, so sei zunächst das Lust-gefühl fertig gegeben; und dann wende ich mich, durch diesfertige Lustgefühl veranlafst, innerlich der Farbe zu, auf welchedies Lustgefühl sich bezieht, oder dem es gilt. Verhielte es sichso, dann wäre offenbar die Lust zunächst für mich nicht Lustan der Farbe, sondern Lust schlechtweg, und erschiene nach-träglich erst auf die Farbe bezogen. Aber davon wissen wirnichts. Sondern die Lust an der Farbe ist von vornherein Lustan der Farbe. D. h. sie ist von vornherein auf diesen ihrenGegenstand bezogen. Ein Gefühl kann aber nicht auf einenGegenstand bezogen sein, wenn nicht der Gegenstand apper-zipiert ist. Dafs ich Lust fühlean einem Gegenstand, heifseer nun Farbe oder sonstwie, dies sagt eben gar nichts anderes,als dafs ich Lust fühle, indem ich auf den Gegenstand be-zogen, darauf innerlich gerichtet, mit ihm befafst bin, kurz,indem ich den Gegenstand apperzipiere. Es ist also für dasGefühl der Lust an einem Gegenstände dies, dafs ich demGegenstände innerlich zugewendet bin, selbstverständlicheVoraussetzung.

Darum verhält sich die Sache doch auch nicht etwa so,dafs die innere Zuwendung oder der Akt der Apperzeption dieUrsache des Lustgefühls wäre. Sondern beides, die innereZuwendung und die Leichtigkeit, mit der ich sie vollbringe,einerseits, und die Entstehung des Lustgefühls andererseits,geht Hand in Hand, und weist demgemäfs auf eine gemein-

Lipps, Ästhetik. 2