Erstes Kapitel: Allgemeines über Lustgefühle.
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Die menschliche Seele nun ist — keine Saite, aber sie isteinem System von Saiten vergleichbar. Oder, wenn wir diesenVergleich unterlassen: Was auch im übrigen die menschlicheSeele sein mag, ob sie insbesondere mit der Grofsgehirnrindeidentisch ist, oder nicht, — in jedem Falle ist sie ein irgendwiebeschaffenes Etwas. D. h.: Auch die Seele hat, wie dieSaite, ihr eigentümliches Wesen, ihre eigentümliche Organisation,Konstitution, Struktur, kurz ihre eigentümliche „Natur“. Undsie trägt in dieser ihrer Natur mannigfache Dispositionen oderDisponiertheiten für ein Geschehen. Anders gesagt: Es gibtin der Seele mannigfache Weisen ihrer Betätigung, auf die sievon Natur angelegt, oder auf die sie natürlicherweise gerichtetoder „abgestimmt“ ist.
Und auch der Seele wird allerlei angesonnen oder zuge-mutet. Auch ihr können verschiedene „Bewegungen“ beigebracht,es können diese und jene „Erregungen“ in ihr zu stände ge-bracht, diese oder jene Betätigungen ihr abgenötigt werden.Sie soll etwa jetzt dieses, jetzt jenes empfinden, wahrnehmen,vorstellen.
Und da erhebt sich nun auch bei der Seele die Frage, obsie auf die bestimmte Betätigungsweise, die sie in einem ge-gebenen Augenblick vollbringen soll, abgestimmt ist. Es be-stehen auch bei ihr die Möglichkeiten, date eine Betätigungs-weise mehr, die andere minder ihrem Wesen, ihrer Natur, odereiner Seite ihrer Natur, einer „Saite“ des gesamten „Saiten-systems“, gemäfs sei oder entspreche.
Dies können wir auch noch anders wenden: Ich kannvon der Betätigungsweise, die in höherem Grade der Naturder Seele entspricht, auch sagen, in ihr komme in höheremMafse die Natur der Seele zur Geltung, zur Aussprache, zuihrem Rechte, oder: die Seele betätige darin in höherem Grade„sich selbst“. Dann stehen also einander gegenüber solche Be-tätigungen der Seele, die in höherem, und solche, die ingeringerem Mafse seelische „Selbstbetätigungen“ sind.
Und endlich, mit noch einem neuen Ausdruck: Die Be-tätigungen der Seele, die der „Natur der Seele“ entsprechen,finden in der Seele günstigere Bedingungen ihres Vollzuges.