Druckschrift 
1 (1797)
Entstehung
Seite
162
Einzelbild herunterladen
 

I§2 I. B. Allstem. ÄLNNtniß des teutsch. Reichs.

heit der Stimmen bewirkten Reichsabschkd vom I. 1529.einlegten, überhaupt aber, weil sie gegen allen Gewissens-zwang auf das feyerlichste protestiren, und denselben fürunrechtmäßig erklären *).

Durch den Religionsfrieden war also die Ruhe vonLeutschland wieder hergestellt, aber fröhlich war sie nurscheinbar. Der katholische Neligionstheil konnte es nichtverschmerzen, was für Opfer er dem protestantischen hattemachen müssen, und dieser wünschte noch mehr zu habenals ihm war zugestanden worden. Selbst in dem Reli-gionsfrieden lag Stoff zu neuen Irrungen, vorzüglich aber

Wenn wir seyn und heißen wollen, sagt Rosen müllerin seiner Beantwortung der Frage: Warum nennen wir unSProtestanten? (Leipzig 1790. 8). was unser Name mir sichdringt, so müssen wir gegen allen Gewissenszwang auf das feyr«rlichste protestiren, und denselben für unrechtmäßig erklären;so muß uns das ein heiliger und unverletzlicher Grundsatz seyn,daß wir in Glaubenssachen keine andere untrügliche Regel undRichtschnur erkennen, als lediglich die heilige Schrift; daß wir«ns nicht für verpflichtet halten, die heil. Schrift so zu erklä-ren , wie sie von alten und neuern Kirchenlehrern erklärt wor-den ist, daß wir uns stets das Recht Vorbehalten, selbst zu prü-fen, nichts anders für wahr zn halten, als was wir nach ges'wisseuhafter sorgfältiger Prüfung und nach gesunden Regeln derAuslegungskunst, durch den Gebrauch der uns durch die Vor-sehung geschenkten bessern Hülfsmittel als wahr erkannt haben;alles andere hingegen, was wir nach gewissenhafter Prüfungals unwahr befinden, zu verwerfen, oder an seinen Ort gestelltseyn zu lassen, wenn auch noch so viele altere und neuere Kir-chenlehrer anders gedacht und geglaubt haben sollten, weil auchdie gelehrtesten Menschen irren und fehlen können, und mancheIrethümer nicht anders, als mit der Zeit un-d nach langem Fov«sehen, vielleicht nach mehreren Jahrhunderten erst entdcckv wer-Len können.