4. C. VondenReligionszuftand im teutschen Reich. lZ7
sich doch heimlich gestehen, daß die Leute, welche sie bisherwegen ihrer gefährlichen Meinungen und Grundsätze bekriegthatten, ün Ganzen so unrecht nicht hätten. Jetzt, da fastalles aus diese Art für eine Reformation empfänglich zawerden anfieng, wäre es Zeit gewesen, am päbfilichen Hofesich mit Mehrerer Mäßigung zu betragen, und das Joch,das die Welt, so lange es zu tragen war, gerne trug, zuerleichtern. Aber das geschah nicht. Noch aufmerksamerund strenger gegen alle Neuerungen *) wurde man wohl,aber nicht nachstehender, und da man sich nun sicher wähnte,so erschwerte man vielmehr die Last, als daß man sie er-leichtert hätte.
Endlich war aber das Maaß voll und nun gelang es einemeinzigen unbedeutenden Mönch, das ganze stolze Gebäudeauf das heftigste zu erschüttern und große Theile desselbeneinzureiffen. Dieser kühne Mann war Doctor MartinLuther, — wer kennt ihn nicht entweder von der vor«thsilhaftesten oder gehässigsten Seite! — Er zeigte der
I Dahin gehören unter andern die strengen Strafgebete,wodurch die Preßfreyheit gehemmt, durch Aufstellung be-schwerlicher Censur-Gerichte den Schriftstellern die Lustund Gelegenheit zu schreiben, durch Geld-Leibes und Kirchen-strafen, aber den Buchdruckern der Muth benommen wurde,den Druck von Schriften -u wagen, die der Clcrisey mißfälligund gefährlich scheinen konnten. — Aufklärung und Erleuch-tung des gemeinen Mannes suchte man dadurch zu verhüten«Es sollte Nacht bleiben, denn-die Geistlichkeit ahndete wohl,wie viel? ja daß sie alles bey einem sehend gewordenen Volkverliehren müßte — Trotz aller Drohungen und Censur-An-stalten drang aber dennoch das Licht durch die selbst gemachte»Nebel hindurch. S. die meisterhafte Geschichte der pvöst-lichen Nuntien in Deutschland. Th. a. S. s?6. u. ft