Einleitung,
Würbe es auch der Fall unter Menschen seyn, die völligfrey und unabhängig leben wollten. Wo keine Gesetze sind,und keine höchste Gewalt ist die für ihre Beobachtung sorgt,da herrscht Anarchie und da kann Niemand sicher undruhig leben. Immer aber ist Sicherheit des Ei-gen thumS, der Ehre und des Lebens das höchsteGut des Menschen. Gern opfert er also einen Theilseiner Freyheit auf, gern giebt er einen Theil seines Ver-dienstes ab und erkennt eine höhere Gewalt über sich, umnur jenes Glück in seiner ganzen Fülle zu genießen. Willman ihm nun sein Eigenthum nehmen, so kann er Hülfeund Deyfland von derjenigen höchsten Gewalt, der er undseine Mitbürger unterworfen sind, nicht nur erwarten, son-dern rechtlich fordern. Denn Sicherheit und Ruhe zu ge-pießen/ ist dieBedingung, unter welcher sich der Menschin eine Staatsverbindung eingelassen hat. Sie ist ein un-entbehrliches Mittel zu dem höher» Zweck, den, der Menschdurch seinen Eintritt in die bürgerliche Gesellschaft zu errei-chen sucht.
Ohne eine höchsteGewakt, welche alle Mitgliederüber fich erkennen müssen, läßt sich also kein Staat geden-ken. Es muß daher, sobald mehrere Familien oder Völker-schaften in eine Staatsverbindung treten wollen, Vortrags-weise die Regierungsform des Staats bestimmt, das Heistfestgesetzt werden, ob die höchste Gewalt Einem oderMehreren zvstehen, ob der Regent ganz uneinge-schränkt seyn, oder bey wichtigem Angelegenheiten dieNation oder Repräsentanten derselben um Rath fragen soll.In einem jeden Staate ist ein solcher Vertrag vorhanden,aber freylich ist er nicht immer ausdrücklich abgeschlossen,oder schriftlich aufgesttzr. Die Harivn kann auch still-