Druckschrift 
Flores musice omnis cantus Gregoriani
Entstehung
Seite
58
Einzelbild herunterladen
 

58

II. DE MONOCHOEDO.

est unum, et chorda, quasi unam habens chordam. Hujus auteminstrumenti musici inventor et factor fuit Pythagoras, magnuset egregius doctor et magister Graecorum. Et quia valde utileest instrumentum ad cognitionem artis musicae, idcirco ad ipsumplene cognoscendum nostrae mentis intentio est dirigenda. Do-cet enim multiformiter omnium vocum debitam consonantiam,unde etiam in praedicto dialogo dicit magister discipulo: literamonochordi sicut cantilena discurrens est ante oculos; pone,quod, si nondum vim ipsarum literarum plene cognoscis, secun-dum easdem literas percutiens chordam, ab ignorante magistromirifice audies et disces. Et respondet discipulus fere inquiens:mirabilem dedisti mihi magistrum, qui a me factus me doceat,meque docens nihil sapiat; ipsum propter sapientiam etobedien-tiam sui maxime amplector; cantabit enim mihi, quantum volu-ero , et nunquam de mei sensus tarditate commotus verberibusvel injuriis me cruciabit. Subjungit deinde autor in lyra, quodillud instrumentum musicum scilicet monochordum plures habet

*

naraen von monos, das im griechischen heißet einer, und chorda saite,als instrument mit einer saite. Dieses instrumentes erfinder und Ver-fertiger ist aber Pythagoras gewesen, ein großer und trefflicher lehrerund meister im griechischen lande. Und dieweilen das instrumenthöchst nützlich ist zur kenntnis in der musikalischen kunst, so müßenwir denn unsern sinn anschicken, es selber recht zu begreifen. Demies lehrt in aller manchfaltigkeit den richtigen einklang aller töne. Da-her saget auch im vorerwähnten dialogen oder Zwiegespräche der meisterzum schüler: der buchstabe im saitenspiele ist wie ein gesang, der vorden äugen einherläuft. Denke, wenn du auch des buchstabens bedeu-tung nicht verstehst, wirst du doch, so du nach solchen buchstaben diesaite schlägst, von dem meister, der es selbst nicht weiß, wunderbar-lich hören und lernen. Drauf antwortet der schüler ungefähr folgen-dermaßen: einen wundersamen lehrer hast du mir gegeben, der, meineigen gemachte, mich lehren soll und, ohne eigenen verstand, michlehren könne. So ehre ich ihn denn wegen seiner Weisheit und ausgehorsam von herzen, denn er wird mir singen, so viel ich will, undnie wird ihn mein langsamer sinn bewegen, mit schlagen und unbildmich zu peinigen. Der dichter fügt dann für die leier hinzu, daß