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schlechten. Der Mensch soll seinen Geschmack nicht so bilden,dass daraus Nachtheile für die gesunde und zweckmässige Führungseines Lebens und vollends für die Moralität daraus hervorgehen;und er kann ihn so bilden, dass es nicht der Fall ist. Und nichtnur ist jeder Geschmack zu verwerfen, der eine solche Schuld aufsich ladet, sondern auchjeder, der nurdurch eine solcheSchuld mög-lich wird, wrnil es nicht der Fall sein kann, ohne dass er sie verstärkt.
Mit allem Unsittlichen, Ungesunden ist alles Unpassende,Unächte, innerlich Unwahre vom guten Geschmacke zu verwerfen,und zwar aus dem doppelten Gesichtspuncte, dass es nicht gut fürden Geist ist, Gefallen am Widerspruchsvollen der Art zu finden,und nicht gut für die Welt, sich Solches gefallen zu lassen; dennüber Kurz oder Lang, wenn nicht im einzelnen Falle, aber in derallgemeinen Ordnung der sittlichen und intellectuellen Welt setztsich die Unwahrheit, der innere Widerspruch in Nachtheile fürdas innere oder äussere Wohl des Menschen um.
In allen solchen Fllen erscheint die Entscheidung über denVorzug des Geschmackes leicht; so leicht aber ist sie nicht immer.Sollte ich z. B. entscheiden, ob die Perücke oder unser heutigersteifer Hut, ob der Zopf am Kopfe im vorigen Jahrhundert oder diezwei Zöpfe am Frack des jetzigen Jahrhunderts geschmackvolleroder geschmackloser wären, so würde ich es nicht wagen. Um wieviel zusammengesetzter und schwieriger abzuwägende Rücksich-ten aber kommen im Allgemeinen in Frage, wenn es gilt, in höhe-ren Gebieten des Geschmackes zu entscheiden, welche Weise desEmpfindens die werlhvollste im Ganzen ist. Nicht, dass uns dasPrincip in diesen höheren Gebieten überhaupt im Stiche Hesse,wir werden noch viel Massgebendes daraus schöpfen können; aberein Hauptvortheil des Principes wird doch immer der sein, unsBescheidenheit des Urtheiles zu lehren.
Ueberhaupt in allen den unzähligen Fällen, wo sich Conflictezwischen verschiedenen ästhetischen Rücksichten geltend machen,wird es zwar leicht und einfach sein, extreme Einseitigkeiten undeine Bevorzugung sichtlich untergeordneter Rücksichten vor über-geordneten als wider den guten Geschmack zu verwerfen; aberes wird nicht nur unmöglich sein, den Punct der besten Ab-wägung dazwischen genau festzustellen, sondern auch nöthig,eine gewisse Breite oder Freiheit darin als noch mit einem gutenGeschmacke verträglich zuzulassen, ohne die Gränzen dieser Frei-