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1 (1897)
Entstehung
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257
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volleren gedeihlicheren Einrichtung, Bildung, Stimmung des Gei-stes möglich, als mit andei'n, und kann zu einer werthvollerenoder minder werthvollen Einrichtung der Aussenwelt führen. Wasüberhaupt der Verstand durchUeberlegungalsdasZweckmässigste,das Beste im Ganzen erkennt, soll dem Gefühl unmittelbar so er-scheinen und demgemässe Antriebe und Stimmungen wecken.

Sei es nun ein Gegenstand der Mode, Kunst oder Natur, erwird sich immer aus dem Gesichtspunkte betrachten lassen, ob dasGefallen daran in vorigen Beziehungen gut oder nicht gut ist, und,insofern wir uns darüber zu entscheiden vermögen, wird sich derGeschmack danach billigen oder verwerfen, der eine Geschmackdem andern vorziehen oder nacbsetzen lassen.

ln unzähligen Fällen nun werden wir eine solche Abwägungzu schwierig finden, um ein entscheidendes Resultat zu geben.Dann leistet uns das Princip nichts weiter, als dass es uns weisegenug macht, uns des Urtheiles zu bescheiden. Und diese Weis-heit und Bescheidenheit ist in unser Gefühl selbst übergegangen,wenn es so oft nicht wagt sich zu entscheiden, wir nicht sagenkönnen, ob uns etwas gefällt oder nicht gefällt, indess wir dochwissen oder fühlen, dass es ein Gegenstand des Gefallens oderMissfallens ist. Aber in manchen Fällen ist doch auch das Urtheilnach dem Massprincipe der Güte leicht, wenigstens mit relativerSicherheit, zu fällen, und jedenfalls ist jede Abwägung danachvorzunehmen, jeder Streit auf dieser Grundlage zu führen, fallsman streiten will.

Wenn den Chinesen an ihren Damen verkrüppelte Ftisse, anihren Würdenträgern und Götzen dicke Bäuche gefallen, so möchteman immerhin in Zweifel sein, ob dieser Geschmack nicht un-mittelbar eben so lustgebend für sie als für uns der gegentheiligeist; doch wird ihr Geschmack schlechter als unsrer und über-haupt schlecht zu nennen sein, weil ein Geschmack, der am Un-gesunden, Nachtheiligen Wohlgefallen finden lässt, die Vorstellungder Würde und Erhabenheit an sinnliche Fülle und Schwereknüpfen lässt, zu keinen guten Folgen führt und mit keinem gutenSinne zusammenhängt. Um so mehr sind alle unsittlichen Dar-stellungen von schlechtem Geschmack. Sie mögen dem und jenemgefallen, ja unmittelbar so viel Lust gewähren, als dem Sittlichensittlichere Darstellungen; aber es ist nicht gut, dass sie ihmgefallen, und eben darum nennen wir seinen Geschmack einen

Fecliner, Vorschule <3. Aosthetik. I. 2. Aufl.

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