207
Sache ihrem Zwecke vollkommen entspreche, besonders lebhaftgeltend macht, dieselbe schön nennt, an welcher der Nichtsach-verständige nichts Schönes findet; und wird sich überhaupt jeder,der keine sachliche Einsicht in die Zweckmässigkeitsbedingungeneines Gegenstandes, der auf äussere Zweckmässigkeit Anspruchmacht, hat, bescheiden müssen, kein sichres oder zureichendesUrtheil über dessen ästhetischen Werth haben zu können. Auchwerden solche Gegenstände von Kunstlaien hauptsächlich nurnach Geschmacksübertragung von Kunstkennern beurtheilt.
Weiter aber: bei allen Gegenständen überhaupt, deren Zweck-mässigkeit blos dahin geht, uns vor Unlust, Nachtheil zu schützen,uns das Nothwendige an Speise, Trank, Kleidung, Wohnungzu gewähren, kann die Vorstellung hievon auch nicht mehr lei-sten, als der associativen Unlust beim Anblicke dieser Gegenständezu wehren, sie also nicht missfällig erscheinen zu lassen; und beivielen Gegenständen führt sogar der unmittelbare Gebrauch oderführen die Umstände, unter denen sie auftreten, vielmehr miss-fällige als wohlgefällige Associationsvorstellungen der Mühe oderünreinlichkeit herbei, welche über die des fernerliegendenZweckes überwiegen. Bei vielen endlich kommt ein missfälligerdirecter Eindruck mit der wohlgefälligen Association des Zweckesin Conflict.
Bei alle dem bleibt zwar das Moment der einheitlichen Ver-knüpfung des Mannichfaltigen durch die Zweckidee so wie derWiderspruchslosigkeit mit der Idee unverkürzt, aber wird selbstbeim Sachverständigen für sich allein nicht leicht hinreichen, denEindruck unmittelbaren Wohlgefallens über die Schwelle zu trei-ben, schon desshalb, weil wir zu vielen zweckmässigen Gegen-ständen täglich begegnen, welche diesen Bedingungen genügen,somit die abstumpfende Wirkung der Gewöhnung sich hiebei gel-tend macht. Was uns aber wegen Gewöhnung nicht mehr lust-voll reizt, dessen Vermissen kann doch noch mit Unlust empfundenwerden.
Nehmen wir einen Pflug. Jeder weiss, dass derselbe dient,das Feld zu bearbeiten, und hiemit zu den entfernten Bedingun-gen gehört, den Hunger zu stillen. Sollte uns der Pflug diesemZwecke nicht zu entsprechen scheinen, so würde er uns missfal-len, was für Anstrengungen auch die Kunst machte, ihn zu ver-schönern; aber insofern er uns nur diesen Zweck zu erfüllen