Druckschrift 
1 (1897)
Entstehung
Seite
162
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telbar an Manches ausserhalb der Musik erinnern, als den Wellen-schlag, das Brausen des Meeres, das Rieseln des Baches oderRauschen des Wasserfalles, das Säuseln oder Heulen des Win-des, das Rollen des Donners, das Fallen der Schneeflocken, denGalopp des Pferdes, den Flügelschlag der Vögel, das Trillern derLerche, den Gesang der Amsel u. s. w.; und so ist ein Mitspielvon Associationsvorstellungen dieser Art bei der Musik in demsel-ben Sinne zuzugestehen, als auch beim Anblick gelber, rother,concaver, convexer Gegenstände Erinnerungen an alle möglichegelbe, rothe, concave, convexe Gegenstände mitspielen können;aber doch eben nur nebensächlich mit dem eignen Eindruck mit-spielen. Und so sieht man nicht ein,\warum man den Haupt-eindruck der musikalischen Beziehungen erst der Nachahmungandrer, der Erinnerung an andre zuschreiben sollte, warum sienicht das Recht, ihren eigenen Eindruck geltend zu machen, vonvorn herein hauptsächlich und unabhängig von solchen Erinnerun-gen geltend machen sollten, deren stilles Mitspiel dabei nicht aus-geschlossen, aber nur eben nicht wesentlich und fast immernur in Anklängen mitunterlaufend ist.\Keine Musik repräsentirtdoch in ihrer ganzen Durchführung vollkommen den Wellenschlagdes Meeres oder den Golopp eines Pferdes u. s. w., vielmehr wer-den Erinnerungen daran, welche die Musik etwa erweckt, ebensoleicht wieder gestört, verdrängt, zerstört, als sie sich geltend machen,wenn sie sich überhaupt geltend machen. Für die specifisch mu-sikalischen Empfindungen aber, welche von den sich verkettendenmelodischen und harmonischen Verwandtschaftsbeziehungen derTöne abhängen, giebt es überhaupt nur höchst unvollständige Ana-loga in unserm übrigen Erfahrungskreise, welche nicht entferntden Zauber der Musik wiedergeben; warum sollte man also erstauf solche Analoga weisen, um diesen Zauber für ein Resultat derErinnerung daran zu erklären.

Zwar mag man es aus dem Gesichtspuncte eines sehr all-gemein gehaltenen Vergleiches gelten lassen, wenn Lotze (Gesell.S. 490) sagt: »dass die Tonarten jene unendliche Beziehbarkeit,Vergleichbarkeit, Verwandtschaft und abgestufte Verschiedenheitdes Weltinhaltes überhaupt repräsentiren, durch welche es ge-schehen kann, dass die Mannichfaltigkeit des Wirklichen, das denallgemeinen Gesetzen gleichmässig unterliegt, zugleich ein geord-netes Ganze auf einander bindeutender, in einander übergehender