gar auch über Decke und Boden ohne Unterbrechung forterstreckensollte. Ja selbst wo das Gefühl der Erhabenheit mit der Grösseeines einförmigen Gegenstandes wächst, wie beim Meere, würdedas Missgefühl der Monotonie überwiegen, wenn wir nicht auchdie Begränzung durch etwas Andres erblickten, sich etwa Meerund Himmel in voller Gleichförmigkeit in einander fortsetzen sollten.
Dass aber auch Fälle eintreten können, wo eine gleichförmigeWiederholung uns schon das erstemal missfallen kann, beweistsich u. a. darin, dass wir dieselbe Anekdote nicht zweimal hintereinander erzählt hören mögen, nicht gern zwei Sätze hinter ein-ander mit demselben Worte anfangen und schliessen lassen, undbei gebildetem musikalischen Geschmack Octaven- oder Quinten-gänge überhaupt nicht wohl vertragen.
c) Gleiche Extension vorausgesetzt lässt sich allgemein sagen,dass die Wohlgefälligkeit um so mehr wächst, ein je intensiveresoder deutlicheres Gefühl der Einheit sich durch eine je grössereMannichfaltigkeit durch erstreckt; nur dass Conflicte hindern, bei-des zugleich ins Unbestimmte zu steigern.
d) Es giebt Extreme nach einer und der andern Seite, wo dieEinheit möglichst gesteigert und zugleich die Mannichfaltigkeit mög-lichst herabgedrückt ist, oder umgekehrt. Z. B. nach erster Seite,wenn eine gleichförmige Fläche sich ins Unbestimmte ausdehnte,nach zweiter, wenn in einer unregelmässigen und unregelmässigwechselnden Kleckserei gar kein gemeinsamer Charakter, wie ihnnoch jede Marmorirung hat, spürbar wäre. Yon solchen Extremenkann man sagen, dass sie unbedingt missfallen, und um so sichrerist Missfallen zu erwarten, je näher ein Fall dem einen oder an-dern Extrem kommt.
e) Zwischen beiden Extremen giebt es eine gewisse Mitteoder mittlere Breite, in welcher die Conflicte zwischen Einheit undMannichfaltigkeit sich in möglichst vortheilhafter Weise für dasGefallen ab wägen; mag von hier ab die Einheit oder Mannichfal-tigkeit auf Kosten der Gegenseite bevorzugt werden, so nimmt dieWohlgefälligkeit ab, wird die Fortsetzung der Betrachtung kürzereZeit vertragen oder tritt selbst Missfälligkeit ein. Aber dieser vor-theilhafteste Punct oder diese vortheilhafteste Breite ist nach Ver-schiedenheit der Subjectivität und selbst nach Verschiedenheit derZustände desselben Subjects verschieden. So stimmt vorausge-