67
wie Helmholtz Gleichheit und Verschiedenheit der Töne betreffsihrer Obertöne in Rücksicht zieht. Nur kann unser Princip keinenAnspruch machen, mehr als einen sehr allgemeinen Gesichtspunctmusikalischer Wohlgefälligkeit zu bieten; Rechnungen lassen sichauf seinen Ausspruch überhaupt nicht gründen.
Mit den bisherigen Beispielen haben wir uns im Felde reinanschaulicher Verhältnisse gehalten, indem wir unter solchenKürze halber Verhältnisse sinnlicher Eindrücke überhaupt ver-stehen. Aber das Princip reicht weit und hoch darüber hinaus indas darüber aufsteigende Gesammtgebiet unsrer Vorstellungen,was wir zwar hier nicht ganz damit durchmessen, aber doch ineinigen Puncten berühren wollen, nachdem es gelegentlich schonfrüher in Erwähnung von Mitbestimmungen, die daraus fliessen,geschehen ist.
So in Geltendmachung des Gesichtspunctes der Zweckmässig-keit. In der That einer der Gesichtspuncte, weshalb uns dasZweckmässige gefällt, obwohl nicht der einzige, ist der, dasswir alle Theile des zweckmässigen Ganzen durch den Bezug zurZweckidee einheitlich verknüpft finden. Für die Zweckidee aberkönnen auch andre Ideen eintreten. Und so verlangen wirschliesslich überhaupt von jedem Kunstwerke, dass alle Theiledesselben durch eine einheitliche Idee oder Erweckung einer ein-heitlichen Stimmung verknüpft sind. Es ist gewissermassen dieoberste Foderung, die wir an ein Kunstwerk zu stellen haben,wodurch Foderungen an den unter der Idee begriffenen Inhaltnicht ausgeschlossen werden; die Foderung der Einheit aber mussbei dem verschiedensten Inhalt erfüllt sein, soll nicht das Kunst-werk an einem wesentlichen Mangel leiden.
Was nun verstehen wir unter einheitlicher Idee hiebei? Einenoch verhältnissmässig einfache, weil abstracte, Vorstellungsver-knüpfung, in welcher nicht nur alle Theilvorstellungen durch einegemeinsame Beziehung verknüpft sind, sondern die auch zwischenallen Momenten der Ausführung ins Concrete eine Verknüpfungdadurch herstellt, dass alle unmittelbar oder durchVermittelungenmit ihr als etwas Gemeinsamen Zusammenhängen.
Nicht minder aber als in eigentlichen Kunstwerken spieltunser Princip seine Rolle in so manchen kleinen Kunstspielen, alswie sinnreichen und witzigen Vergleichen, Wortspielen und andernKleinigkeiten von untergeordnetem ästhetischen Interesse, wobei
3 *