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1 (1897)
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sie gehen aber mit den ästhetischen Hand in Hand, und es giltvon moralischen Flecken dasselbe als von physischen. Von diesemZurückbleiben der Missfälligkeit hinter der Ursache derselben lässtsich ein doppelter Grund angeben. Einmal wächst nach einem(schon S. 53 berührten) psychophysischen, durch Beziehung aufLust- und Unlustreize in die Aesthetik übertragbaren, Gesetze eineEmpfindung überhaupt mit Verstärkung des Reizes über einengewissen Grad hinaus schwächer als der Reiz, oder selbst gar nichtmehr merklich. Ein Licht, in eine fast dunkle Stube gebracht,fügt ausserordentlich viel Helligkeit hinzu; ein zweites gleicheshinzugebracht, lässt die Helligkeit nur noch in unverhältniss-mässig geringerem Verhältnisse wachsen. Zweitens wird bei Ver-doppelung einer störenden Stelle doch die Störung insofern nichtganz verdoppelt, als die störenden Stellen selbst und die Weisenihrer Störung etwas Gleiches darbieten. Beide Gründe dürften imAllgemeinen zusammen in Betracht zu ziehen sein.

So wenig gleichförmige Reinheit uns lange für sich zu fesselnvermag, so willkommen ist uns doch im Allgemeinen die Reinheitder Gontoure, der Farben in den Theilen eines Kunstwerkes, weiljeder Theil von selbst nur die kurze Betrachtung in Anspruchnimmt, über die hinaus er anfangen würde uns langweilig zuwmrden. Gehen wir doch bald von einem Theile zum andernüber, um damit des zwischen ihnen bestehenden höheren Ein-heitsbezuges zu gewahren; nun kann sich die Gewährung desniedern an der Gleichförmigkeit der Theile in vortheilhafterWeisedamit verbinden. Unstreitig zwar können wir die Reinheit vonGontouren auch deshalb fodern, weil der darzustellende Gegen-c stand dadurch schärfer ins Licht tritt, aber Beides widersprichtsich nicht, sondern hilft sich; sonst könnte uns eine reingezogeneLinie nicht auch ausser einer Zeichnung besser gefallen als eineunrein gezogene.

Die stärkste Störung erfährt natürlich die Gleichförmigkeiteines Eindruckes durch seine völlige Unterbrechung; und mankann sagen, dass solche an sich überall im Sinne der Unlust ist,nur dass die Schwelle der Unlust namentlich durch einzelneünter-brechungen nicht überall überstiegen wird, und Regelmässigkeitder Unterbrechungen eine Compensation bewirken kann, soferndamit ein höherer Einheitsbezug eintritt, der für den Bruch desniederen zu entschädigen vermag, wie jedenfalls vom Tact im