Druckschrift 
1 (1897)
Entstehung
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Beide Behandlungsweisen lassen sich auch wohl als philo-sophische und empirische unterscheiden. An sich stehensie nicht in Widerspruch mit einander, insofern eine richtigeund vollendete Erkenntniss der obersten Principien des Seins, dergöttlichen und menschlichen Dinge, auch die Principien einerrichtigen Betrachtung der ästhetischen Verhältnisse einschliessenmuss, gegenseits eine richtige Verallgemeinerung der erfahrungs-mässigen Thatsachen und Gesetze des ästhetischen Gebietes indiese Erkenntnisse hineintreten muss. Beide durchmessen das-selbe Gebiet nur in entgegengesetzter Richtung; und überall er-gänzt sich die Möglichkeit der Bewegung in einer Richtung durcheine solche in entgegengesetzter Richtung. Es haben aber beideWege ihre besondern Vortheile, Schwierigkeiten und Gefahren.

Der erste Weg stellt uns so zu sagen von vorn herein an dasZiel, dem man auf dem zweiten erst zustreben muss, gewährt vonda aus den allgemeinsten Blick, die höchsten Gesichtspunkte; aberman gelangt auf ihm schwer zu einer klaren Orientirung über dieGründe des Gefallens und Missfallens im Einzelnen, um die esuns doch auch zu thun sein muss; es bleibt mehr oder wenigerbei unbestimmt schwebenden, in ihrer Allgemeinheit das Ein-zelne nicht leicht scharf treffenden Begriffen. Dazu setzt dieserWeg, um richtig zu führen, einen richtigen Ausgang voraus, denman im Grunde nur in einem vollkommenen philosophischen undselbst theologischen Systeme finden kann, was wir beides nochnicht haben. Nur viele Versuche derselben haben wir, und sohaben wir auch viele Versuche, die Aesthetik damit in Beziehungzu setzen, die alle noch viel zu wünschen übrig lassen, aber dochdem Bedürfniss allgemeinster und höchster Gesichtspuncte ent-gegenkommen, und, wenn sie dasselbe nicht vollständig befriedi-gen, doch beschäftigen und wach erhalten. Auch haben sich dieseNachtheile wie Vortheile in allen sehr zahlreichen Darstellungender Aesthetik und Behandlungsweisen ästhetischer Fragen, welchein Abhängigkeit von Schelling, Hegel und selbst von Kant, dieRichtung vonOben bisher eingeschlagen haben, mehr oder wenigerfühlbar gemacht.

Der andre Weg hingegen, der Weg von Unten, gewährt oderverspricht wenigstens unmittelbar eine klare Orientirung nicht nurim Felde der Begriffe, welchen sich das Gebiet des Gefallens undMissfallens unterordnet, sondern auch über die Gründe des Gefallens