der menschlichen Gestalt, die an uns hervorzubringen wir uns mitder Mode befleißen. Ich habe die gefeierte Schönheit, nach welcherman die Tage unserer Geschichte, die den Polignac'fchen Verordnun-gen vorangegangen sind, benennen könnte, — ich habe MademoiselleSonntag in Naturrollen, wo nichts sie dazu zwang, sich dergestaltverunstalten sehen, daß sich der Künstler enipört von dein Idol derZeit abwenden mußte.
Aber ihr fragt mich lächelnd, ob ich da von Polynesiern rede?— Ich finde die Schönheit in der einfachen, nicht verunstaltetenNatur, und ich weiß diese nicht anders zu preisen, wie es meineAbsicht ist, als wenn ich ihr die Unnatur grell entgegenstelle.
Ich finde, daß die Schönheit sich überall mit der Zweckmäßig-keit paart. Für den Menschen ist die menschliche Gestalt dasSchönste; es kann nicht anders sein. Die gesunde, ebenmäßige Aus-bildung derselben in allen ihren Theilen bedingt allein ihre Schön-heit. Der größere Gesichtswinkel bedingt die Schönheit des Ant-litzes, weil der Mensch sich als denkendes Wesen über die Thiere er-hebt und in dem Zunehmeu jenes Winkels den Ausdruck seiner Ver-menschlichung wiederfindet.
Die Kleidung dient einerseits der Schamhaftigkeit, die den Kör-per zum Theil verdecken will, andrerseits der Bedürftigkeit, die Schutzgegen äußere Einwirkungen sucht. Nur der Barbar ruft sie zu Ver-unstaltungen, in denen er sich wohlgefällt, zu Hülfe. Die Kleidungder Polynesier im Allgemeinen genügt der Schamhaftigkeit, ohneden edlen Glicderbau der kräftigen, gesunden, schönen Menschen zuverhüllen. Der Mantel der O-Waihier, der nach Bedürfnis; undLaune umgenommen und abgelegt wird, und von dem sich vor einemMächtigeren zu entblößen die Ehrfurcht gebietet, — besonders derweitere, faltigere, den die Reichen tragen, ist eben so schön alszweckmäßig.
Aber die Tatuirung? — Die Tatuirung ist eine sehr allgemeineSitte unter den Menschen; Californier und Eskimos huldigen ihrmehr oder weniger, und das mosaische Verbot beurkundet, daß ihrdie Völker anhingen, von denen die Kinder Jsrael's abgesondertwerden sollten. Die Tatuirung, auf verschiedenen Inseln des großen