Druckschrift 
3 (1864)
Entstehung
Seite
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Tag eintheilt, kehrt mehr zum Verdruss- als zum Genüsse zurück.Es giebt kein Mittel sich abzusondern, kein Mittel einander zu ver-meiden, kein Mittel einen Mißklang auszugleichen. Bietet uns ein-mal der Freund, anstatt des Gutcn-Morgens, den wir zu hören ge-wohnt sind, einen Guten-Tag, grübeln wir der Neuerung nach undbebrüten düster unser« Kummer; denn ihn darüber zur Rede zusetzen, ist auf dem Schiffe nicht Raum. Abwechselnd ergiebt sichEiner oder der Andere der Melancholie. Auch das Verhältniß zudem Kapitain ist ein ganz besonderes, dem sich nichts aus dem festenLande vergleichen läßt. Das russische Sprüchwort sagt: Gott ist

hoch und der Kaiser ist fern. Unumschränkter als der Kaiser ist anseinem Bord der Mann, der immer gegenwärtige, an den man auchgleichsam mit dem Rücken angewachsen ist, dem man nicht aus-weichen, den man nicht vermeiden kann. Herr von Kotzebue warliebenswürdig und liebenswerth. Unter vielen Eigenschaften, die anihm zu loben waren, stand oben an seine gewissenhafte Rechtlichkeit.Aber die zu seinem Hcrrschcramte erforderliche Kraft mußte er sichmit dem Kopfe machen; er hatte keine Charakterstärke; und auch erhatte seine Stimmungen. Er litt an Unterleibsbeschwerden, undwir spürten ungesagt auf dem Schiffe, wie es um seine Verdauungstand. Bei dem gerügten Mangel, besonders in der späteren Zeitder Reise, wo seine Kränklichkeit zunahm, mochte er leicht von dem,der ohne Arg grade vor sich schritt und fest auftrat, sich gefährdetglauben. Aus der Fahrt durch den atlantischen Ocean hatte er dieVorurtheile abgcstreift, die er gegen mich gefaßt haben mochte, undich kam für seinen Günstling zu gelten. Ich hing ihm aber auchan mit fast schwärmerischer Liebe. Später wandte er sich vonmir ab und auf mir lastete seine Ungnade.

Ich hatte mit Hülfe von Login Andrewitsch Russisch zu lernenangefangen; erst lässig unter dem schönen Himmel der Wendekreise,dann mit ernsterem Fleiße, als wir dem Norden zusteuerten. Ichhatte cs so weit gebracht, mehrere Kapitel im Sarytschcff zu lesen,aber ich ließ mit gutem Bedacht von dem Beginnen ab und lerntemich glücklich schätzen, daß die Sprache eine Art Schranke sei, diezwischen mir und der nächsten Umgebung sich zog. Ich habe auch