Druckschrift 
3 (1864)
Entstehung
Seite
37
Einzelbild herunterladen
 

37

selbst und Anders zu überzeugen,' daß ich bei dem, was ich für einMißverhältniß erkannte, außer aller Schuld sei. Jetzt kmn ich, einalter Manu, nach abgekühlter Leidenschaft und wiederholt eingesehenenAkten, Richter sein über mich selbst und sprechen: ich war wirklichaußer Schuld. Es tröstete mich in der Folge noch nicht, daß nichtsowohl mit mir, als mit dem Maler Choris Wormskiold in Miß-Helligkeiten lebte, wie sie leicht das Seeleben veranlassen kann unddie sich nur nach dem Charakter und der Eigenthümlichkeit derMenschen gestalten. Ich erinnere mich, daß in Sicht des Staaten-landes ich hinüber zu den traurigen, nackten Felsen schaute und fastbegehren mochte, das; mich vom Schiffe ans das kleine Boot nachjener winterlichen Oede hinüber trage und dort aussetze, mich vonder marternden Gegenwart zu befreien.

UebrigenS hatte der Lieutenant Wormskiold in Plymouthgeäußert, er würde vielleicht schon in Teneriffa die Expedition ver-lassen. Auf der Ueberfahrt von Teneriffa nach S>a Catharina er-klärte er, in Brasilien sein Schicksal von dem unsrigen trennen zuwollen. Daselbst angelangt, das Land kühlt die zur See erhitzteGalle ab, rieth ich ihm freundschaftlich, dieses reichste Feld derForschung zu seiner Ernte zu erwählen, und stellte, um ihm dieAusführung zu erleichtern, meine Baarschaft zu seiner Verfügung.Er war nun anderen Sinnes. Er wollte in Chile bleiben; aberdem widersetzte sich die Lichtscheue der Spanier und stellte seinemEntschlüsse unüberwindliche Hindernisse entgegen. Er trennte sicherst in Kamtschatka von uns.

Diese Zeilen sind mir zu schreiben so schwer wie eine Beichteaufs Herz gefallen und ich werde auf den Gegenstand nicht wiederzurückkommen, den ich einmal nicht unerwähnt lassen konnte. Esist etwas gar Eigenthümliches um das Leben auf einem Schiffe.Habt ihr bei Jean Paul die Biographie der mit dem Rücken an-einander gewachsenen Zwillingsbrüder gelesen? Das ist etwas Aehn-liches, nicht Gleiches. DaS äußere Leben ist einförmig und leer,wie die Spiegelfläche des Wassers und die Bläue des Himmels, diedarüber ruht; keine Geschichte, kein Ereigniß, keine Zeitung; selbstdie sich immer gleiche Mahlzeit, die zwei Mal wiederkehrend den