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besitzen. Anno 1728 wird dieser Scliirmbrief wieder für16 Jahre erneuert gegen Erlegung der gewohnten Gebühren,nämlich auf jeden Sessel 8 Thaler, für jeden BedientenY 2 Thaler und dem Landvogte und Landschreiber das ge-wohnte Schirmgeld. Weitere Erneuerungen des Schirm-briefes erfolgten 1744, 1760 u. s. w. An die christlichenGemeinden Lengnau und Endingen hatte die Judenschaft15, dann 20 und endlich 22 */2 Gulden jährlich unter demTitel eines „Dorfgeldes“ zu entrichten. Zudem hatte jederIsraelit an den Thoren und Brücken einen Leibzoll von8 Schillingen zu bezahlen, welcher erst im Jahre 1798 auf-gehoben wurde.
Im Jahre 1747 wurde den Juden der Bau einer neuenSynagoge in Lengnau — anstatt ihres bisherigen geringenVersammlungslocales über dem Wagenschopfe eines Müllers
— bewilligt, welcher Neubau 1755 eingeweiht ward. Anno1764 wurde die neu erbaute Synagoge in Endingen be-zogen. Allein so sehr sich die Israeliten von Lengnau undEndingen im achtzehnten Jahrhundert der Gunst der Ober-herren der Grafschaft erfreuten, so vermochte dieses landes-herrliche Wohlwollen sie keineswegs immer vor Ausbrüchendes Hasses ihrer christlichen Gemeindegenossen zu schützen,■welcher sich zu wiederholten Malen — so noch im Jahre 1802
— in der Weise Luft machte, dass ihre Wohnungen demo-lirt und geplündert wurden, allerdings nicht ohne dass dieThäter in der Folge zur Rechenschaft gezogen und bestraftworden wären.
Ein im Jahre 1809 erlassenes Gesetz gewährte denaargauischen Juden viele Vergünstigungen und im Jahre 1863erlangten sie die vollständige politische Gleichberechtigungmit ihren christlichen Miteidgenossen, worauf sie sich sorasch über die ganze Schweiz ausbreiteten, dass die 1878gesetzlich formirten israelitischen Ortsbürgergemeinden „Neu-Endingen“ und „Neu-Lengnau“ anno 1880 nur noch 455und 206 Seelen zählten (1888: 328 und 157), währendihre Kopfzahl in den Jahren 1850, 1860, 1870 sich nochauf 990, 850, 747 und 525, 448, 376 belaufen hatte.Allem Anscheine nach dürften somit binnen kurzer Frist