Druckschrift 
Deutsche Familiennamen nach ihrer Entstehung und Bedeutung, mit besonderer Rücksichtnahme auf Zürich und die Ostschweiz
Entstehung
Seite
26
Einzelbild herunterladen
 

26

einen einzelnen Gau oder Kanton gestellt, so wird wolil dieVerneinung dieser Stabilität sehr rasch erfolgen, da Jedemeinleuchtet, wie die in einzelnen Ortschatten oder Gauenvorkommenden Familiennamen durch Aussterben und Weg-zug von Geschlechtern einerseits und durch Einwanderunganderseits einem fortwährenden Wechsel unterworfen sind.Aber auch wenn die Frage der Stabilität für das grossedeutsche Sprachgebiet als Ganzes gestellt wird, muss sieverneinend beantwortet werden, da gewisse Familiennamendurch Aussterben von Geschlechtern und auf andere Weisedefinitiv untergeben, also ganz aus der Sprache verschwinden,anderseits durch erlaubte oder unerlaubte Namensänderungenund durch die bei Nobilitationen so häufig erfolgenden Ver-änderungen oder Neucreirungen von Namen immer wiederneue Familiennamen aufspriessen.

Wie Sehr die in einer Stadt heimischen Familiennamenallein schon durch Aussterben von Geschlechtern dem Wan-del unterworfen sind, mag ein Blick auf die alte Bürger-schaft der Stadt Zürich lehren. Als der treffliche Bürger-meister von Zürich, Hans Jakob Leu, im Jahre 1765 denzwanzigsten und letzten Band seines noch heute unentbehr-lichen schweizerischen Lexikons erscheinen liess, fandensich in der stadtzürcherischen Bürgerschaft 269 Familien-namen vor, welche von circa 287 verschiedenen Geschlechternoder Stämmen geführt wurden. Von diesen circa 287 Sippenoder Geschlechtern sind bis zum Erscheinen des Bürger-etates von 1882 ungefähr 110 im Mannsstamme erloschenund damit eine gewisse Zahl von Familiennamen definitivuntergegangen, während allerdings eine andere Zahl solcherentweder anderswo noch vorkommt oder sogar durch neu-verbürgerte Geschlechter gleichen Namens bereits unter derstadtzürcherischen Bürgerschaft wieder aufgelebt ist. Denletzten Lindinner (f 1854), Brysucher (f 1855), Sommer-auer ([ 1856), Herrliberger (-J- 1857), WeriJcer (-j* 1868),den letzten Junker Edlibach (-j- 1878) haben wir selbst zuGrabe geleitet, die letzten männlichen oder weiblichenSprossen der nun ausgestorbenen altzürcherischen Ge-schlechter von Birch, Falkenstein, von Lähr, Liechtli,