einander; eine beständige Einwanderung vom Lande her indie schirmenden Mauern der Städte fand statt: kurz, daseinzelne Individuum, das bisher, an seine Scholle gebunden,nur in seiner Thalschaft mit seinen wenigen Nachbarn ver-kehrt hatte, trat nun in einen gewaltig erweiterten Menschen-kreis hinaus. Damit ergab sich bald die Nothwendigkeit,dieses einzelne Individuum genauer, als bisher nöthig war, zubezeichnen, d. h. es fortan in zweifacher Weise zu benennen.Rief der Kaiser oder irgend ein anderer Landesherr eingrösseres Heer zusammen, oder versammelten sich die leichtschon nach Hunderten zählenden erwachsenen Männer einerstädtischen Einwohnerschaft, so fanden sich im einen wie imandern Falle die Rüdiger, Adelbert oder Kuonrat oder gardie Uto, Luto, Eppo, Liebo, Baldo, Sigo und Renzo sozahlreich vor, dass ohne eine weitere Bezeichnung der ersteRüdiger oder Baldo von dem zweiten und dritten nicht mehrzu unterscheiden war. Dazu kam noch, dass das mehrund mehr überhandnehmende Aufgehen der alten zwei-stämmigen Personennamen in den kürzern Koseformen dieAnzahl der zu Gebote stehenden Personennamen sehr starkreducirt hatte, indem beispielsweise statt der sechs ver-schiedenen Namen Godebald, Godabert, Godafrid, Godehard,Godescalc, Godawald jetzt nur noch ein abgeschliffenerGodo, statt Baldhard, Baldram, Baldewin meistens nur nochein Baldo cursirten.
So tauchen denn anfangs vereinzelt, dann immer häufigerwerdend, zuerst bei den höliern Ständen, bei den Hoch-freien oder dem hohen Adel und den Altburgern der Städte,Bei- oder Zunamen zu den alten Personennamen auf, balddem Wohnsitze, bald dem väterlichen Namen, bald demGewerbe, bald einer hervorstechenden Eigenschaft des erstenBeinamenträgers entnommen, und in kurzer Frist hat sichdiese Sitte der Beinamen über alle Schichten der Bevöl-kerung verbreitet. Diese Beinamen nehmen, wenn auchnicht durchweg, so doch in den meisten Fällen sofort denCharakter der Erblichkeit an — auch wenn der dem Vatercrtheilte Beiname eigentlich für den Sohn nicht passte, wennz. B. der Sohn Heinrich eines Liitolds, der um seiner rotlien