SEIN TOD. SEIN CULTUS.
Dionysius ist nun heimg^kehrt, doch nicht um noch zuglänzen. Seine Gesundheit war ruinirt, er litt am Stein undseine Beine waren nur eine einzige Wunde. Vor Allemwollte er sich in Sammlung und Stillschweigen auf den Todvorbereiten. Alles opferte er diesem grossen Verlangen, Alles,bis auf seine Feder, seine Lieblingswaffe und die theure Ge-fährtin seines Lebens. Sein letztes Werk datirt von diesemselben Jahre 1469. Er widmet es seinen Brüdern als die letzteFrucht seines Eifers, sein Testament und feierliche Empfeh-lung : « Hoc meditationum mearum opusculum suscipite,fratres charissimi, atque pro me igitur exorate, qui de cetero adsecurae taciturnitatis portum transferre me intendo, et ad sa-crum exitum, prout Dominus dederit, parare, praesertim quiaet vires corporis multum deficiunt. Et istud opusculum annovitae meae 67 finio, anno Domini 1469. Ad laudem et gloriamOmnipotentis, qui est super omnia Deus sublimis et bene-dictus. Amen 1 . » Fünfunddreissig Jahre vorher hatte er mitseiner Expositio in Psalmos den Anfang gemacht; getreuseiner ersten, ja der einzigen Leidenschaft seines ganzenLebens, dem Gebete, schloss er mit der Abhandlung De me-ditatione. Von nunan lebte er einzig für Gott und wieder-holte fortwährend unter Thränen diese drei Lieblingsgebet-chen : « Lux aeterna luceat eis, Domine, » um die Sehnsuchtzum himmlischen Lichte in sich zu entfachen; «Maria unxitpedes Jesu,» um die Verzeihung seiner Sünden zu erlangen;« Sancti qui sperant in Domino, mutabunt fortitudinem, »
1 Opuscula aliquot ad theoriam, etc. Colon. 1 534 , f" 386 . Am Endedes kleinen Traktates De modo psallendi hat der erste Herausgeberdiese Bemerkung beigefügt : « Hic pius admonendus est lector, quoniamopusculum, morte praeventus, auctor imperfectum reliquit. » (Ibid. f' 359.)Man hat daraus geschlossen, dass dieses Werkchen die letzte Arbeitdes Autors gewesen sei. Nach unserer Ansicht ist das ein Irrthum. DerTraktat De modo psallendi ist kurz, in der That, aber nicht unvollstän-dig, wie man geglaubt hat; er schliesst genau so ab wie alle andernSchriften des Dionysius, und nach seiner Idee soll er sein Werk überdie Psalmen krönen.