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Dionysius der Karthaeuser : 1402 - 1471 ; sein Leben, sein Wirken, eine Neuausgabe seiner Werke ; aus dem Französischen mit einigen Ergänzungen des Verfassers in's Deutsche übersetzt von einem Priester des Karthaeuser-Ordens
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Wissenschaft und Tugend hat er vielleicht seines Gleichennicht seit der Erschaffung der Welt : quantum vix ulla aetasprotulit, ulla gens, ab orbis ipsius fabricatione L »

Wir wissen allerdings und erkennen mit Demuth an, wasbei all diesen Lobsprüchen der Rhetorik zugute kommt;nichtsdestoweniger bleibt unbestritten, dass das XVI. undXVII. Jahrhundert den Dionysius zu ihren bevorzugterenMeistern gezählt haben. Ist nicht anzunehmen, dass sie sichselbst in ihm schauten und sich bewusst waren, was sie ihmalles zu verdanken hatten ? Ja, es will uns scheinen, dass derKarthäuser mit Recht einige von den ausserordentlichenEreignissen dieses Zeitalters, das so reichliche Labung ausseiner Quelle schöpfte, sich zuschreiben kann. Alles Sehnen,alles Trachten seines apostolischen Herzens, Alles was er inseinem extatischen Gebete erfleht und durch unverdrosseneArbeit vorbereitet, hatte es nicht Gestalt und Leben ange-nommen? Die Macht der Türken war bei Lepanto gebrochen,das Papstthum rehabilitirt, die heilige Wissenschaft durchdie grosse theologische und mystische Schule des XVI.Jahrhunderts erneuert, und neues Leben strömte in Folgedes tridentinischen Konzils in den Adern der christlichenGesellschaft : der fromme Autor musste vor Freude in sei-nem Grabe aufjubeln.

Warum ist heutzutage, fragen wir mit Loer 1 2 , dieserSchriftsteller nicht mehr bekannt, und was hat ihm gefehlt,dass er nicht bis auf unsere Tage diese unbestrittene Aucto-rität, mit welcher die vorigen Jahrhunderte ihn geehrt, be-halten hat? Leider ist auch er, wie so viele Andere, ein Opferder Zeitverhältnisse geworden : — Opfer jenes Fortschritts-geistes, wodurch ältere Werke zurückgedrängt werden, umfür neuere Platz zu machen. « Es bedarf einer nicht gewöhnli-chen Tugend, » bemerkt hierzu P. Cassani, « um uns zuüberzeugen, dass wir nicht mehr gelten als unsere Väter,und wir begnügen uns im Allgemeinen mit der Lesung derModernen, ohne zu bedenken, dass es gefehlt ist, unterAusschluss der Meister den Schülern anzuhangen 3 . » — Opfer

1 Th. Bozius, De signis Ecclesia lib. XXII, cap. iv, sign. 5 i.

2 Vitei; cap vi.

3 Cassani, pag. 117.