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der Lektüre; während ferner der intellectuelle Theil derSeele sich mit der Erfassung des Sinnes beschäftigt, ist dasGefühlsvermögen wie lahm gelegt, nach dem bekanntenSpruche, dass die Seele, jemehr eine ihrer Fakultäten inAnspruch genommen, um somehr auch in der Uebung derandern beschränkt ist 1 . »
Trotzdem entbehrt dieser schlichte Stil nicht eines gewis-sen Reizes; er ist voll lieblicher Naivität, anziehend undbesonders, wie alle seine Biographen bemerken 2 , zu Herzengehend. Er bedient sich gern der Form des Gebetes, undmanche Abhandlungen sind reine, heilige Herzensergüsseund Zwiegespräche mitt Gott 3 . Es ist der Reflex einer zart-fühlenden Seele. Kurz, sein Stil ist, nachdem Urtheil Sixtusvon Siena, edler als der der Scholastiker und steht sozusagenin der Mitte zwischen den Vätern und den Modernen 4 .Swert findet ihn sehr sinnig 5 ; Ellies du Pin lobt an ihm,dass er ein scharfes Urtheil hat, bescheiden und angenehmzu lesen ist 6 .
1 ln Joann. Cassianum, prolog. f" 1. Ein Mitschüler des Dionysius, dersich bezüglich des Stiles auch manches vorzuwerfen hat, führt genaudie nämlichen Gründe an : « Non retrahat, rogo, quemque a legendoincultus stylus; apertus enim absque fuco clarissimus sensus humiliorieloquio, etsi non avidius, facilius tamen rapitur. » N. de Cusa, de Con-cord. Christ., praifatio.
2 Zur Zeit des P. Cassani wollte man, wie es scheint, die Werke desDionysius in einem bessern Latein wiedergeben. Der gelehrte Kritikerist mit Recht darüber entrüstet. « Ich bin fest überzeugt, » sagt er,« dass, wenn das geschieht, man diesen Autor entstellen wird, indemman ihm jene Salbung des hl. Geistes nehmen wird, welche seinemStile eine eigenthümliche Zartheit und Lieblichkeit verleiht und denLeser in wirksamer Weise zur Andacht stimmt.» Cassani, Op. cit., p. 128.
3 De laudibus Dei; De laudibus superlaudabilis Dei; Inflammatoriumdivini amoris; etc.
< Sixt. Senensis. Biblioth. Sanet. Colon., 1626, pag. 269.
5 Swert. Athen. Belg., pag. 21 5 .
0 Eil. Du Pin. Hist, des Controv. du xv s., I" partie, p. 35 o. — Einsehr befugter, moderner Kritiker sagt seinerseits : « Wenn, wie manbehauptet hat, das Geheimniss des Stils darin besteht, einen richtigenGedanken klar und korrekt wiederzugeben, so kann Dionysius sichschmeicheln, sehr wenige Rivalen zu haben. Seine Ausdrucksweise istimmer nett, sein Satz immer geläufig. Es liegt in dieser Einfachheit,welche der Plattheit sow'ohl als der Ziererei gleich fern bleibt, einunbeschreiblicher Reiz. » P. Prat, S. J. Etudes publiees par les PP. Je-suites, 20 Fevr. 1897, pag. 5 i 6 .