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Dionysius der Karthaeuser : 1402 - 1471 ; sein Leben, sein Wirken, eine Neuausgabe seiner Werke ; aus dem Französischen mit einigen Ergänzungen des Verfassers in's Deutsche übersetzt von einem Priester des Karthaeuser-Ordens
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eine an Arbeiten ihrer Copisten reiche Bibliothek besitzen 1 .So entlieh er sie allerorts von Freunden und Bekannten mitgrosser Mühe, sagt sein Biograph 2 ; deshalb pflegte er auchzu sagen, dass der grösste Theil seiner Werke die Fruchtheiligen Betteins sei.

Uebrigens macht man sich heutzutage nicht immer einenrichtigen Begriff von den Hülfsmitteln, welche den Schrift-stellern vor der Erfindung der Buchdruckerkunst zu Gebotestanden. Die relative Seltenheit der Autoren hatte unter denGebildeten eine wahre Sucht nach 1 itterarischen Neuheitenhervorgerufen. Die Missionare des Prediger=und des Minori-tenordens, durch die ganze Welt zerstreut, wie auch dieJuden, diese unvermeidlichen Kaufleute und Unterhändlerzwischen Christen und Muselmännern, verfolgten mit glei-chem Eifer die litterarischen Erzeugnisse und Hessen keinneues Buch unbeachtet. Sobald ein Werk von einiger Bedeu-tung erschien, nicht nur in christlichen Gegenden, sondernzu Cordova, zu Granada, zu Bagdad, etc., wurde es bekanntgemacht und eventuell übersetzt ; dann wanderte es vonKloster zu Kloster, von Schule zu Schule, überall abgeschrie-ben und wieder abgeschrieben, so dass eine philosophische

t Die Liste der Roermonder Manuscripte, angefertigt iy85 und auf-bewahrt im Brüsseler Archiv, enthält nur wenige der Namen, welcheDionysius citirt : Einige Väter, den hl. Ambrosius, Hieronymus, denEhrw. Beda..., und unter den Theologen, den hl. Anselm, den hl. Thomas,

Albertus Magnus, Gerson, Ulrich, Peter Alphonsi.

2 In monasterio tunc suo non habuit quibus indigebat, quibus et ususest libris. Inde illi occupatio immodica parabatur pro codicibus aliundeconquirendis. Vita, cap. i, 4. Der Cardinal Nicolaus von Cusa, einer derbesonderen Freunde des Karthäusers, benutzte seinen Aufenthalt zuC.onstantinopel (1437), um sich eine prächtige Sammlung griechischerund arabischer Autoren zu verschaffen, die er bis zu seinem Tode zuvermehren suchte. Diese Bibliothek, welche der Cardinal seinem Spitalzu Cues vermachte, und die theilweise noch erhalten ist, besitzt nichtweniger als 307 Manuscripte über die hl. Schrift, die Theologie, dasRecht, die Philosophie und andere Gebiete der Wissenschaft. Man findetdarin die meisten der dem Dionysius wohlbekannten Namen, Hippokrates,Ptolemäus, Porphyrius etc.; Avicenna, Algazel, Alkindi, Alkabicius, Al-bumazar, Abenraghel, Messahalach, Zehei, etc. (Serapeum, ir 23. Leipzig,1864, art. des D r F. Xav. Kraus.) Inwieweit diese Schätze dem Karthäu-ser zu Gebote standen, können wir nicht bestimmt angeben, da derBriewechsel beider Freunde, der uns darüber aufklären könnte, verlorengegangen ist. (Siehe jedoch weiter unten, was wir über ihre gegenseiti-gen Beziehungen sagen.)