L2.Z
Siebentes Hauptstück.
Thermometer von festen Körpern.
Z. 222.
Müßige Materien nehmen die Figur aller Gefäße an, in welche sie gegossenO werden, und daher war es leicht auch die geringste Ausdehnung, die sie vonder Wärme erhalten sichtbar zu machen, indem man sie in Kugeln mit engen Röh-ren einschloß. Man hatte hiebey noch den Vortheil, daß man die nach allendrey Dimensionen des Raumes, das will sagen nach der Länge, Breite und Dickefortgehende Ausdehnung in eine nach der Länge fortgehende verwandeln, und da-durch die Ausdehnung dreyfach merklicher machen konnte, auch wenn man sich an-statt einer Kugel mit einer engen Röhre, nur eines Cylinders bedienen wollte.
§. 22z.
Diese Vortheile fallen bey festen Körpern weg. Da sie sich nun sehr we-nig ausdehnen, so vermehrte dieses die Schwierigkeit aus denselben Thermometerzu machen. Indessen war an solchen Thermometern, zumal an solchen, die vonEisen gemacht werden könnten, nicht wenig gelegen, weil ihr Gebrauch sich biszur Hitze des glühenden Eisens erstrecken würde. Man hatte nun, wenigstens umLie Ausdehnung durch die Wärme zu beweisen, metallene Ringe und Kugeln ge-macht , welche in der Kälte genau in die Ringe passeten. Als man die Kugelnerhitzte, fand es sich, daß sie nicht mehr darinn paßten, sondern zu groß n-aren,und folglich über die Hälfte, außer dem Ringe, blieben. Hieraus ließ sich ei-nigermaaßen bestimmen, wie viel sie ausgedehnt worben. Da aber das Aus-messen einige Zeit fordert, so erkältet inzwischen die Kugel und der davon berührteRing erwärmt sich: und aus beyden Gründen findet man die Ausdehnung gerin-ger als fie Anfangs war.
§. 224.
Die Wärme bringt bey einigen Körpern, wie z. E. ben hölzernen Latten,Stangen, Brettern rc. die Wirkung hervor, daß dieselben sich krümmen und bie-gen, und dieses erfolgt nothwendig, so bald sie sich auf der einen Seite mehr aus-dehnen als auf der andern. Da aber beym Holze, Leder, Horn rc. diese Krüm-mung mehr hygrometrisch als thermometrisch ist, so kann sie hier nicht gebrauchtwerden, und um so weniger, daß sie mit der Zeit fast ganz unveränderlich wird,dafern man das Holz nicht einer starken Hitze aussehet, oder es aufs neue an-feuchtet.