112 Hydrostatische Thermometer.
§. 196.
Dm l9ten Jul. 1765. füllte ich ein solches Glas mit siedendem Wasserin dem siedenden Wasser selbst. Es versteht sich, daß ich es vorerst über denDampf des Wassers halten mußte, damit es die Hitze nach und nach annehmenkonnte, weil es sonst leicht würde zersprungen seyn. Auch versteht es sich, daßich es nicht mit der Hand in das siedende Wasser tauchte, sondern ein Zängleindazu gebrauchte, oder auch einen Drat darum windete. Da es nun voll siedendWasser war, zog ich es mit ausgerichtetem Halse heraus, trocknete es außen her-um mit einem feuchten Schwamm ab, und stellte es ohne allen Verzug auf eineWaage, damit es so wenig als möglich ausdünstete, bis ich es gewogen hatte. Zudiesem Ende hatte ich schon voraus auf die Waage so viel Gewicht gelegt, daßnur noch einige Grane und deren Decimaltheile aufzulegen waren. Das Wasserwog 169,4 Gran. Ich ließ es hierauf erkälten, bis es die Wärme der äußernLuft erlangt hatte. Das Wasser fiel in dem Halse des Glases, theils weil es sichzusammenzog, theils weil etwas weniges ansdünstete. Hierauf füllte ich dasGlas mit anderm Wasser, welches ebenfalls die Wärme der äußern Luft hatte,ganz voll, und fand nun, daß es r 74,8 Gran wog. Das Neaumursche Ther-mometer stand beym r Aten Grad. Dieses ist demnach der Grad der Wärme deserkälteten Wassers. Da nun die Ausdehnung in umgekehrter Verhältniß desGewichtes bey gleichem Raume ist, so ist sie, wie 169,4 zu 174,8, folglich,wie z l zu zr. Die Ausdehnung des Glases betrug hiebey kaum ^0 Theil, undist daher viel zu geringe, als.daß sie in Betrachtung kommen sollte.
§. 197.
Ich habe übrigens diesen Versuch nur angeführt, um das Verfahren zubeschreiben. Man sieht ohne Mühe, daß wenn man ein eigentlich dazu gewidme-tes Glas hat, man ohne alle Mühe dasselbe zu verschiedenen Jahrzeiten mit belie-bigen fiüßigen Materien anfüllen und sie abwägsn kann, um aus dem Gewichteihre Ausdehnung zu bestimmen. Denn wenn die Materien an sich schon dieWärme der äußern Luft haben, so gebraucht es dazu keiner andern Vorbereitung.Es versteht sich auch, daß man ein Thermometer dabey haben muß, um nebstden Verhältnissen der Ausdehnung auch kenntliche Grade der Wärme angeben zukönnen. Und da gewisse Materien, wie z. E. Weingeist, Brantewein rc. nichtimmer von gleicher Güte sind, so ist ebenfalls klar, daß man auf diese UnterschiedeRücksicht nehmen müsse.
§. 198.
Ich kann nicht sagen, ob Eistnschmied sich dieser Art zu verfahren be-dienet habe, um die besondere Schwere vieler fiüßigen Materien zu Winters und
Soy,-