xiv Ueber Lamberts Verdienste um die theoretische Philosophie.
„scher, National-Characters, bemerkt. Doch nahm er Antheil an den Schicksa-len derer, die er schätzte. Als Sulzer tödtlich krank lag, weinte Lambert die„einzigen Thränen, die man ihn hat vergießen sehen. Nichts machte ihm größe-res Vergnügen, als wenn er jungen Leuten von Genie forthelfen, und zu ihrer„Entwickelung beytragen konnte; und er freuete sich allezeit, wenn er fand, daß„ein anderer nach seinen Ideen gearbeitet, oder sie genutzt, oder der Fassung der,»größer« Zahl näher gebracht hatte."
Sie sehen, daß in diesem richtigen Gemälde der sittlichen Gestalt desvortreflichen Lamberts kein Pinselzng mehr anzubringen ist. Ich muß mich alsoaufseinen litterarischen Charakter einschränken, und auch von diesem bleibt mirnichts als der philosophische Theil übrig.
Da Lamberts Genie sich beynahe mit keinem Theile der philosophischenund mathematischen Wissenschaften beschäftigt hat, ohne darinn die Gränzen er-weitert, wenigstens neue Aussichten eröfnet und bisher unversuchte Anwendungenbekannter Grundsätze gewiesen zu haben, so muß es interessant seyn, sowohl dieseErweiterungen selbst, als auch die Methode kennen zu lernen, die er dabey be-folgt hat.
DieHauptwerke, woraus wir beydes kennen lernen,sind sein neuesDrgansnund seine Architektonik. Das Erstere enthält die Regeln für die Form der wis-senschaftlichen Erkenntniß, das Andere berichtiget die allgemeinen Begriffe, dieals die Materie derselben können angesehen werden. So viel Scharfsinn Lam-bert, in Ansehung der letzter», beynahe verschwendet hat, so kann man doch be-haupten, daß seine Bemühungen, in Ansehung der Erstem glücklicher gewesensind, daß ihm die l?err,unfc!ehre mehr zu verdanken hat, als die Metaphysik.Wenn man bedenkt, daß ihn die mathematischen Wissenschaften zu seinen philoso-phischen Spekulationen geleitet haben, so wird man sich das nicht wunder!»lassen. Die Regeln der Argumentation sind jn der reinen und angewandten Ma-thematik vollkommen die nämlichen als in der spekulativischen Philosophie, undein Weltweiser, der auf den Gang der mathematischen Untersuchungen merkt,kann daraus Kunstgriffe zum Beweisen und Erfinden für alle genauere Wissen-schaften herleiten. In der Berichtigung der Begriffe selbst aber kann die Ma-thematik dem Philosophen bey weiten nicht so gute Dienste leisten. Die Begriffe,die er brauäst, liegen außer dem Gebiete der Mathematik, ja der Mathematikermuß oft, wenn er seine Meditationen in das Gebiete der spekulativischen Welt-wejshett erheben, und die Begriffe in ihrer höchsten Allgemeinheit unv Neimgkeitdarstellen will, die Begriffe zu vergessen suchen, die ihm in der Mathematik nütz-lich waren»