Ueber Lamberts Verdienste um die theoretische Philosophie, xnr
Ich will, mit Ihrer Erlaubniß, die Stelle selbst aus dem Aufsätze desdeutschen Merkurs, worum Lamberts Genie und Character nach dieser Be,merkung weitläustiger ist entwickelt worden, hiehersetzen „Dies sind dir vornehm,„sten Lebensumstände eines Mannes, den seine Verdienste um dir Wissenschaft»>ten eben so berühmt, als sein vortreflicher Charakter verehrungswürdig machten.»»Zwar hat seine erste Erziehung unauslöschliche Spuren seines ursprünglichen nie-„drigenStandeS zurückgelassen, die sich in seinem schüchternen genirten Wesen, unharr»manischen, und bisweilen poßierlichenAnzuge, elendenHausrach seiner Zimmer, lau»»ten Lachen, oft platten Scherz und komischen Geberden, auch dem Geschmacks»an hohen ungebrochenen Farben, groben Speisen und süßen schlechten Weinen».beständigäußerten, und ihn bisweilen bewogen, sich*)beyCaffeegeftllschaften um„rer gemeine Bürger zu mengen, in ihre politischen Raisonnements einznlasse»„und ihre herrlichen Einfälle mit vollem Halse zu belachen. Aber unter Vieser„ö/^-ren Hülle lagen die schönsten Eigenschaften des Herzens und Verstandes ver-borgen. Eine wahre jungfräuliche Sittsamkeit und Schaamhastigkeit, und die»vollkommenste Reinigkeir von dem so allgemeinen Laster der Liederlichkeit; eine»redliche, gerade, von allem Scheine schiefer Abwege, von allem Schatten einer„Falschheit oder Unwahrheit entfernte Denkungsart; lebhafter Abscheu gegen alle»Arten der Ungerechtigkeit; promter, fteywilliger Ersatz, wenn er dmch Urcheile„oder Handlungen dergleichen begangen zu haben glaubte; Friedfertigkeit in ei,„nem so hohen Grade, daß er auch entfernte Gelegenheiten zu jeder Gattung von„Streitigkeiten sorgfältig vermied; eine nicht zu ermüdende Geduld und Gelaft„senheit; gänzliche Abwesenheit mürrischer, übler Laune; auftichtige Bereitwil,„ligkeit, mit seinem Unterrichte denen zu dienen, die ihn ohne Nebenabsicht such»„ten; das thätigste Mitleid , wo er Elend sähe — alles dieses machte ein vortreft„liches Ganzes bey ihm aus. Wahre feurige Andacht, die oft zu einer stillem„Begeisterung stieg; tiefes Gefühl der Abhängigkeit von Gott und der Unvoll-kommenheit unserer Erkenntniß von diesem höchsten Wesen, und ungeheuchelte„Demuch lind Ehrfurcht gegen dasselbe, erfüllten ihn von seiner ersten Jugend„an, und blieben , ungeachtet der, in den letzten Jahren seines Lebens, auch in„einigen seiner Religionsbegriffe unvermerkt vvrgegangenen Veränderungen, unr„verändert, und die Folge davon, ächte, innere , ungestöhrte Seelen-' und Ge-„wissensruhe, heiterte oft sein Gesicht zu einer Art von himmlischer Schönheit„auf. Mit Verachtung fah er Werke au, welche die Religion bestritten, unp„mit Entzücken las und empfahl er wohlgerachene Widerlegungen derselben. Er„war ohne alle Einschränkung Weltbürger und Menschenfreund; aber eigentliche„Freundschaft har man an ihm so wenig . als vorzügliche Liebe gegei, irgend einen„Orr, sein Vaterland selbst nicht ausgenommen, oder Spuhren des Schweizers»
*) An öffentlichen Orken».