293
nicht dagegen, dafs nach dem Tode eine einzelne Kammer oderVorkammer zuckt, wenn sie gereizt wird; hier ist nur ein spe-cieller Reiz auf einen schon geschwächten Theil, wo die Wir-kung also nicht so grofs seyn kann. So kann auch eine Kam-mer mit einem Hindernisse für sich zu kämpfen haben, z. B.die vordere, wenn die Lungenarterie sich zu schliefsen anfängt,oder die hintere, wenn die halbmondförmigen Klappen derAorta verknöchern u. dgl. mehr. Warum vorzugsweise die hin-tere Kammer krank wird, sich erweitert, reifst u. s. w. ist sehrklar, da sie gröfsere Gewalt anzuwenden, und häufiger mit Hin-dernissen zu kämpfen hat.
Bei den Thieren ist das Verhältnifs und die Verbindung oftsehr viel anders. Die stärkste Trennung sehen wir bei den Cepba-lopoden, wo die beiden Kiemenherzen und das Aortenherz dreiabgesonderte Körper bilden. Merkwürdig ist ferner die beson-ders im Foetuszustande und im jungem Thier sehr starke Spal-tung des untern Tkeils der Kammern bei den wallfischartigenThieren, so dafs man die Gestalt eines solchen Herzens nichtübel mit der einer maldivischen Nufs verglichen hat. — Bei denwiederkäuenden Thieren ist die rechte Kammer gegen die linkesehr klein; noch mehr ist dies bei den Vögeln der Fall. Döl-linger (Ueber den eigentlichen Bau der Fischherzen. In An-nalen der Wetterau. Gesellscb. 2- B. S. 311 — 313. Taf. 13-Fig. 1 — 4.) hat die interessante Beobachtung gemacht, dafsbei mehreren Fischen die äufsere Schicht der Muskelfasern desHerzens sich von der innern trenne, und so gleichsam eine An-lage eines vordem, wenn gleich ringsum geschlossenen Ventri-kels bilde. Es ist allerdings gewissermaafsen ein Rudiment da-von und die nähere Bestimmung des Zwecks müfste nicht un-wichtig seyn.
Blumenbach hat mit Recht die fleischige Klappe deri rechten Kammer des Vogelherzens, wovon Anrn. 1. gesprochenist, dahin gedeutet, dafs hier gröfserer Schutz gegen das Zurück-treten des Bluts in die Vorkammer nöthig war, da die Vögel-lungen nicht sehr ausgedehnt werden, und daher das Blut we-