Bei den Thieren niederer Ordnungen, welcheim Wasser leben, ist nicht wohl zu beurtheilen,wie viel nährende Substanz sie darin finden: so dafses daher nie ein ganz reiner Versuch ist, den manmit ihnen anstellt; die Empfindung des Durstes fälltiiberdiefs bei ihnen ganz weg. Ich habe einen Pro-teus anguinus fünf Jahre lang in gewöhnlichem Brun-nenwasser, das von acht Tagen zu acht Tagen er-neut ward, lebend erhalten; der Baron Zoys inLaibach erzählte mir sogar, dafs er einen Proteuszehn Jahre lang in blofsem Wasser erhalten habe.Es schrumpfen auch dabei die innern Organe, be-sonders die Geschlechtstheile ein, und an Wachs-thum ist natürlich nicht zu denken. .AuchWasscr-salamander, Schildkröten und Fische, z. B. Gold-fische (Cyprinus auratus) kann man jahrelang inWasser halten, ohne ihnen Nahrung zu geben.
Wir sehen aber auch bei den höheren Thieren,dafs sie den Hunger gewöhnlich' sehr lange ertra-gen. Franc. Redi (Osservazioni intorno agli ani-mali viventi, che si trovano negli animali viventi.Firenze 1684. 4.) hat eine Menge Erfahrungen überdie Zeit, welche warmblütige Thiere ohne Nahrungzubringen konnten. Kapaune (S. 92.), denen erweder zu trinken noch zu fressen gab, starben infünf, sechs, acht und neun Tagen; ohne Nahrungaber, bei Freiheit zum Saufen (S. 93.), lebte einerzwanzig, ein anderer vierundzwanzig Tage. EinigeHolztauben lebten ohne Speise und Trank zwölfbis dreizehn Tage. Ein Königsadler lebte achtund-