Drittes Kapitel.
VOM SINN DES MENSCHLICHEN LEBENSIN DER WELT.
(PROBLEME DER PHILOSOPHISCHEN ANTHROPOLOGIE.)
§ 35 .
Der Mensch und das Weltganze.
Wie wir schon sagten, ist man heute geneigt, die anthropolo-gischen Probleme in der Philosophie überall voranzustellen. Dasist insofern begreiflich, als es nicht nur stets Menschen sind, diePhilosophie treiben, sondern als diese sich dabei selbstverständlichvor allem für den „lebendigen“ oder „existierenden“ Menscheninteressieren. Gerade deshalb aber ist von vorneherein darauf hin-zuweisen, daß der Mensch, wenn er universal wissenschaftlich be-trachtet wird, nur als ein (relativ kleiner) Teil der Welt angesehenwerden darf, und daß daher die Anthropologie erst dann zu einerphilosophischen Disziplin wird, wenn sie bei der Untersuchung desMenschen nicht ausschließlich an ihn, sondern zugleich an dasWeltganze denkt, in dem allein er „leben“ oder „existieren“ kann.Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, die Darstellung der anthro-pologischen Grundprobleme mit der Reflexion auf das Verhältniszu beginnen, das der Mensch zur Welt, oder genauer zu den ver-schiedenen Arten des Seins besitzt, die wir im Weltganzen fest-stellen konnten. Erst auf dem Boden der Ontologie wird es möglich,der Anthropologie die philosophische Aufgabe zu stellen, den Sinn,den das gesamte menschliche Leben in der Welt besitzt, universalzu deuten.
Wir beginnen damit, daß wir an das Körpersein des Menschendenken. Wir wissen, daß jeder Mensch ein Körper „ist“, oder wie