Zweites Kapitel.
DIE SEINSARTEN DES WELTGANZEN.
(PROBLEME DER ONTOLOGIE.)
§ 9.
Der ontologische Pluralismus.
Von den methodologischen Problemen wenden wir uns den onto-logischen zu. Dabei kommt es vor allem auf eine klare Frage-stellung an. Es handelt sich jetzt um das, was man „das Sein“ derWelt nennt. Genauer, es soll die Frage beantwortet werden: wasist die Welt in ihrer Totalität? Dabei liegt der Schwerpunktontologisch auf dem Wort „ist“, und der mit ihm verbundeneBegriff tritt in der Stellung des Problems als Prädikat auf.Das müssen wir beachten und daran festhalten, daß das Wort„sein“ in diesem Fall nur die Bedeutung eines Prädikats habenkann. Wenn wir vom „Sein“ der Welt reden, meinen wir ein Prädi-kat, das der Welt zukommt. Die Welt können wir dementsprechenddas, was ist, oder „das Seiende“ nennen. So verstehen wir auchden Terminus „Ontologie“. Sie ist die Lehre von dem als seiendPrädizierten 1 ).
Wie gestaltet sich die weitere Stellung ihrer Probleme? Wirdenken, um uns darüber klar zu werden, an das, was die Erkenntniseines Weltteils, z. B. eines einfachen Tons, bedeutet. Von ihm kannebenfalls ausgesagt werden, daß er „ist“, und das heißt in diesemFall, daß ihm, insofern er wahrgenommen wird, sinnlicheWirklichkeit als Seinsart zukommt. Dies Prädikat wird beijeder weiteren Erkenntnis des Tons als gültig vorausgesetzt. Wie
1) Vgl. hierzu mein Buch: Die Logik des Prädikats und das Problemder Ontologie, 1930.