147
man auch sagt, einen Körper „hat“, und daß ohne ihn ein „Leben“in der uns bekannten Welt oder eine diesseitige „Existenz“ nichtmöglich wäre. Insofern gehört der Körper mit zum „Sinn“ desmenschlichen Daseins. Zugleich aber werden wir ihn in der Ganz-heitswissenschaft als Glied der Körperwelt überhaupt denken,so daß er mit den übrigen Körpern in einen erkennbaren Zusammen-hang kommt, und sobald wir so verfahren, müssen wir die wissen-schaftliche Behandlung des Menschen, soweit er nur Körper ist,den Spezialwissenschaften überlassen. Das gilt jedenfalls für diegeneralisierenden Disziplinen, zu denen auch die philosophischeAnthropologie gehört. Die einmaligen, individuell gestaltetenkörperlichen Gebilde, welche die Geschichte behandelt, stellt sienicht dar. Philosophisch bleibt vor allem wesentlich, daß derMensch ohne einen Körper überhaupt kein Leben, also auch keinsinnvolles Leben in der diesseitigen, erfahrbaren Welt führenkönnte. Im übrigen gibt es eine menschliche Körperlehre als phi-losophische Disziplin nicht. Das braucht nicht näher ge-zeigt zu werden, da vermutlich niemand geneigt sein wird, es zubestreiten.
Anders steht es, wenn wir daran denken, daß der menschlicheKörper zugleich ein beseelter Körper ist. Wird hierdurchetwas daran geändert, daß das Seelenleben als Teil des Men-schen ebenfalls, wie das körperliche Sein, einer Spezialwissenschaftüberlassen bleiben muß ? Wenn es auf diese Frage keine unumstrit-tene Antwort gibt, liegt das daran, daß der Begriff des Seelischengroße Vieldeutigkeit zeigt, und daß man infolgedessen auch unter„Psychologie“ sehr verschiedene Wissenschaften verstehen kann.Wir haben davon schon gesprochen und müssen jetzt, wo es sichum die Stellung des Menschen zum Weltganzen handelt, noch ein-mal darauf zurückkommen.
Versteht man unter dem „seelischen“ Sein das, was jedem Men-schen als zeitlich ablaufende Vorgänge bekannt ist, dann solltei eine Entscheidung in dieser Frage nicht schwer sein, d. h. dannhat die Wissenschaft, die sich ausschließlich mit dem zeitlich be-
i
; grenzten Seienden beschäftigt, mit den Problemen der philosophi-| sehen Anthropologie nicht mehr und nicht weniger zu tun alsz. B. die Biologie. Eine solche Wissenschaft ist nicht imstande,
10 *