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Nebeneinanderstellung ist ohne theoretische Differenz. Bilden wirdagegen den Satz: 2x2 ist 4, so erhalten wir ein verstellbaresSinngebilde, das sich von dem Sein aller wahrnehmbaren seeli-schen oder körperlichen Vorgänge in noch anderer Weise unter-scheidet als die einzelnen Wortbedeutungen. Es ist unmöglich,von ihm zu sagen, es sei einmal in der Zeit entstanden und werdeeinmal wieder vergehen. Diese Art des Seins besteht nur für denwahrnehmbaren Satz, durch den der Sinn zum Ausdruckkommt, und für den seelischen Akt, m i t dem er verstanden wird,nicht aber für das Sinngebilde selbst. Dieses „gilt“ unabhängig vonder Zeit, und es kommt ihm damit auch ontologisch ein Sein zu,auf das der Begriff des Entstehens oder Vergehens sich nicht an-wenden läßt, und das insofern „zeitlos“ genannt werden kann.
Allerdings sind gerade in bezug hierauf Mißverständnisse mög-lich, und deshalb seien noch einige erläuternde Worte hinzugefügt.Mit Recht kann man sagen, daß Wahrheiten von den Menschennicht immer gewußt worden sind, und daß sie insofern alsim Lauf der Zeit entstanden betrachtet werden dürfen, ja müssen.Aber ob Menschen von einem wahren Sinn wissen oder nicht, istfür seinen ontologischen Begriff unwesentlich. Eine Wahrheit hörtdadurch, daß sic nicht gewußt wird, nicht auf, wahr und zeitlos zusein. Die Erfahrungswelt könnte niemals wissenschaftlich erkanntwerden, wenn es in ihr nicht Gebilde gäbe, die sich als zeitlos ver-stehen ließen. Die Wahrheit einer Erkenntnis auch der zeitlichen Weltkann nicht selber zeitlich sein, d. h. nicht entstehen und vergehen.
Wer das bestreitet und meint, er könne auf dem „Standpunkt“des erkenntnistheoretischen „Relativismus“ beharren, trotzdemaber noch irgend etwas als wahr aussagen, ist unfähig, einen Ge-danken zu Ende zu denken. Gewiß bleibt es möglich, radikal „em-piristisch“ zu verfahren. Aber auch unser Erfahren hört sofort auf,theoretisch sinnvoll zu sein, sobald die Sätze der Empirie nicht alsAusdruck zeitlos gültiger Sinngebilde betrachtet werden. Sogar derradikalste Sensualismus, der als Theorie wahr sein will, setzt einunsinnliches, zeitlos Seiendes voraus, das wir als wahr verstehen,denkt also nicht universal.
Das an Beispielen aufgezeigte Prinzip ist leicht zu erweitern. Nichtnur die Sinngebilde, die durch einzelne Sätze zum Ausdruck kom-