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Wahrnehmung erfaßte seelische Leben. Wie verhält es sich da-gegen mit den verstellbaren Wortbedeutungen? Von einer zeit-lichen Veränderung der Art, wie wir sie bei seelischen und kör-perlichen Gebilden beobachten, darf hier keine Rede sein. Die Be-deutung des Wortes „grün“ geht nie in die des Wortes „braun“über. Was wir an den beiden Worten verstehen, bleibt getrenntund unverändert dasselbe. Nicht anders steht es bei den Bedeu-tungen der Worte, mit denen wir seelisches Sein bezeichnen. Daherkönnen wir sagen, daß, während zwischen sinnlich wahrnehmbarenGebilden ein kontinuierlicher Übergang in der Zeit stattfindet,wir für das Gebiet des verstellbaren Seins scharfe Grenzlinienziehen müssen, um ihre Seinsart zu kennzeichnen. Nicht eine kon-tinuierlich fließende, sondern eine diskrete und konstante Mannig-faltigkeit liegt hier vor. Der Satz: „natura non facit saltum“ giltgewiß für die Sinnenwelt, aber nicht für das verstellbare Sein undinsofern auch nicht für alle Bestandteile unserer erweiterten Er-fahrungswelt.
Das ließe sich leicht für viele Fälle im einzelnen zeigen. Für jedeSprache ist es charakteristisch, daß ihre Worte dauernde Bedeu-tungen tragen, soweit sie überhaupt nur je eine Bedeutung be-sitzen. Wir sagen allerdings, daß eine Wortbedeutung sich ändert.Aber das ist ungenau ausgedrückt. Wir meinen, daß ein Wort eineandere Bedeutung bekommt, und das sagt gegen die Unveränder-lichkeit der einzelnen Wortbedeutung nichts. So tritt auch in die-ser Hinsicht die ontologische Selbständigkeit des verstellbaren Ge-biets gegenüber der Sinnenwelt zutage.
§ 17 .
Sinn und Ganzheit.
Doch wir müssen noch einen wesentlichen Schritt weiter gehen.Wir haben uns bisher auf verstellbare Gebilde wie Wortbedeu-tungen als Beispiele beschränkt. Können wir von ihnen auch sagen,daß sie weder entstehen noch vergehen ? Es hat einen guten Sinn,wenn man behauptet, sie seien einmal nicht gewesen und würdenauch einmal wieder verschwinden. Wir kommen also, solange wirbei ihnen in ihrer Vereinzelung bleiben, zu keiner Entscheidung