Druckschrift 
Grundprobleme der Philosophie : Methodologie, Ontologie, Anthropologie
Entstehung
Seite
60
Einzelbild herunterladen
 

60

soll, ist es möglich, ihre Ganzheit als die einer Summe zu be-greifen. Unter „Summe“ verstehen wir dabei das Ganze, dessenTeile so nebeneinander geordnet sind, daß jeder von ihnen der-selbe bleibt, gleichviel ob erinnerhalb der Summe als deren Teiloder für sich gedacht wird. Eine Summe von Zahlen macht dasklar. Die mechanistische Theorie sagt dementsprechend: jeder Teilder Welt ist so beschaffen, daß die quantitativ bestimmte Summealler Teile das Ganze ergibt. Oder sie lehrt: es kann innerhalb derKörperwelt kein Teil Vorkommen, der sich nicht als Teil einerSumme auffassen, d. h. begrifflich so bestimmen läßt, daß erauch als bloßer, für sich gedachter Teil denselben Charakter be-hält, den er innerhalb des größeren Ganzen oder der Summe, inder er vorkommt, besitzt.

Wir müssen darauf achten, daß der Mechanismus den Begriffdes Ganzen nicht etwa in jeder Hinsicht entbehren will. Aberer faßt ihn rein quantitativ, d. h. er kennt keine anderen Ganzheitenals die, welche als bloße Summen von Teilen zu denken sind. Esverhält sich bei ihm nicht anders, als wir es uns an irgendeinembeliebigen Beispiel aus dem täglichen Leben klarmachen können.Wir zerschlagen einen Stein. Dann bleibt jeder Teil ein „Stück“Stein, und die Summe aller dieser Teile macht das Ganze desSteines aus. Die Summe wird bestimmt durch Größe und Zahl derTeile, also quantitativ. So denkt auch der Mechanismus, und esgibt nur einen Unterschied: in der mechanischen Auffassung derganzen Körperwelt haben wir nicht ein Ganzes als eine Summemit einer bestimmten oder endlichen Zahl ihrer Teile,sondern es genügt, daß wir von einer unbestimmten Summe über-haupt reden, die aus beliebig vielen Teilen besteht.

Wir können die Ganzheit der Körperwelt am besten als quanti-tative Ganzheit bezeichnen und müssen dann die Fragestellen, ob es möglich ist, bei der begrifflichen Erkenntnis dergesamten Körperwelt mit dem Begriff ihrer bloß quantitativenGanzheit auszukommen. Dabei haben wir, um das Problem injeder Hinsicht klar zu sehen, auch daran zu denken, daß gegen-über dem im Raum beliebig oder „unendlich“ weit sich erstrecken-den Körperganzen eine andere Ganzheitserkenntnis als die quanti-fizierende nicht möglich erscheint. Es liegt in ihrem Wesen, daß