sie, weil sie jeden Teil der Körperwelt nur quantitativ bestimmtdenkt, dadurch zugleich in die Lage kommt, auch im „unendlichen“Körperganzen der Welt eine bloße Summe aller seiner Teilezu sehen. Läßt sich das aber in Wahrheit für alle Teile der Körper-welt durchführen?
§ 11 .
Mechanismus und Organismus.
Man ist längst daran gewöhnt, dem mechanischen Geschehen dasorganische gegenüberzustellen, und da man dies Sein auch als das„lebendige“ bezeichnet, kommt man dazu, das mechanische Sein„tot“ zu nennen. Nun entsteht die Frage: ist das organische oderlebendige Sein in seiner Totalität in derselben Weise wie das toteSein begrifflich in eine quantitativ bestimmte Summe aufzulösen ?
Wenn wir die Frage so stellen, und sie darf, um ganz allgemeingestellt zu werden, nicht anders lauten, dann ist die Antwort nichtzweifelhaft. Es liegt im Organismus eine völlig andere Art vonGanzheit vor als diejenige, die der Mechanismus braucht, umdas Körperganze unter seine Begriffe zu bringen. Die Teile jedesOrganismus, der „lebt“, lassen sich niemals nur in der Weise zueinem Ganzen zusammenschließen, daß dies Ganze sich als bloße„Summe“ darstellt. Das kommt am besten dadurch zum Aus-druck, daß wir die Teile des Organismus sein „Glieder“ nennen.Jedes Glied bewahrt seine Eigenart nur im Zusammen-hang mit dem organischen Ganzen, zu dem es gehört, also imZusammenhang mit dessen übrigen Gliedern. Es verliert seinenCharakter, den es als Glied besitzt, sobald es aus dem Zusammen-hang des Ganzen als bloßer Teil herausgelöst wird. Es i s t ein„Glied“ nur im Zusammenhang mit der Totalität.
Fassen wir also die Begriffe des mechanischen und des organi-schen Seins in dieser Allgemeinheit, dann ergibt sich, daß alle dieDenker Recht haben, die einen mechanischen Begriff des organi-schen Lebens ablehnen. Schon Kant wußte, daß es niemals einen„Newton des Grashalms“ geben wird. Solange wir sinnvoll voneinem „Organismus“ reden wollen, müssen wir ihn als eine Artder Ganzheit ansehen, die aus „Gliedern“, nicht wie eine Summe