Druckschrift 
Die Wiener Universität und ihre Gelehrten 1520 bis 1565
Seite
309
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

309

wegs eine Aenderung in den bisherigen Grundlehren derKirche. Diese Richtung legte er offen an den Tag, als derFranciscaner Bernhard Samson 1518 in der Schweiz denAblasshandel in der widerlichsten Weise betrieb: er tratdiesem Beginnen auf das Entschiedenste entgegen und regteauch seinen Freund Zwingli dazu an. 1 ) Als aber diedeutschen Reformatoren anfingen, die Grundlehren der katho-lischen Kirche anzugreifen, stellte sich Faber in die Reiheder heftigsten und gewaltigsten Bekämpfer Luther's und derAnhänger desselben. Er reiste 1521 nach Rom, vielleichtum sein bisheriges Verfahren zu rechtfertigen. 2 ) Dort kamer mit Dr. Johann Eck zusammen und beide Streiter stärktensich durch gegenseitigen Austausch ihrer Ansichten zumKampfe gegen die Reformatoren. Faber gab sogleich (nochin Rom) seine erste Streitschrift „gegen Luther's neueDogmen" in lateinischer Sprache heraus, 3 ) und als er nachDeutschland zurückgekehrt war, folgte sein „Ketzerhammer"(malleus haereticorum), den er dem Papste Hadrian VI.widmete. Von dieser Zeit an bekämpfte er unausgesetztdurch Wort und Schrift, in Predigten, Gesprächen und öffent-lichen Disputationen, in grösseren und kleineren Druck-werken seine nunmehrigen Gegner und früheren Freunde.Besonders oft trat er gegen Zwingli auf. 4 )

Karls V. Bruder, Erzherzog Ferdinand, durch dieseVorgänge auf Faber aufmerksam gemacht, wählte diesen zuseinem Rathe; doch blieb er gleichzeitig des Constanzer

treten der Reformatoren, deren dogmatische Irrthümer er sogar theil-weise billigte."

>) Döring 1. c, S. 14. Ranke, Deutsche Gesch. (in den sämmtlichen

Werken), Bd. HI, S. 68.

2 ) Ueber diese Reise spricht Meuser 1. c, 8. 714, näher.

s ) Er hatte vom Papste die Vollmacht erhalten, gegen Luther zupredigen. Ranke 1. c, II, S. 68.

') Im Jahre 1523. Vgl. Meuser, S. 714; Döring, S. 14-, Ranke,III, S. 53.